Eigentlich müsste ich diesen Blogeintrag sprechen, aufnehmen und die Audiodatei mit hier verlinken, damit sie sich jeder anhören kann, doch weil ich nicht weiß, wie das funktioniert, und eigentlich auch nicht will, dass meine Stimme im digitalen Nirgendwo verschwindet und womöglich dort landet, wo ich sie ganz bestimmt nicht erklingen lassen möchte, muss ich leider darauf verzichten. Der Grund dafür, dass nun der Klang wichtig ist, dürfte nachvollziehbar sein, wenn ich außerdem darauf hinweise, dass dieser Blogeintrag darüber hinaus mit einem Selbstversuch beginnt. Jeder möge nun den folgenden Satz laut sprechen und dabei das fehlende Wort ersetzen: Ich habe einen Vertrag mit dem Verlag über den Bezug der Zeitung, also habe ich ein ... und bin deshalb ein ...

Nun kann beziehungsweise darf ich nicht voraussetzen, dass die fehlende Begriffe allen tatsächlich eingefallen sind, weshalb ich den Satz nun vollständig wiederhole und noch einmal darum bitte, ihn laut vorzulesen: Ich habe einen Vertrag mit dem Verlag über den Bezug der Zeitung, also habe ich ein Abonnement und bin deshalb ein Abonnent. Der Hintergrund ist dieser: Tatsächlich bei jedem zweiten Gespräch zwischen zehn und zwölf weisen die Leser mich als erstes darauf hin, dass sie seit vielen Jahren die "Freie Presse" beziehen und deshalb regelmäßig lesen. Von diesen wiederum benutzt ebenfalls jeder zweite Anrufer eine der beiden Formulierungen mit dem Abonnement oder dem Abonnent. Und dabei kommt es, was ich wirklich gut verstehen kann, denn mir geht es mit einigen Wörtern (wie beispielsweise bei der Visagistin ebenso, bei der Artikulierung zu Problemen mit der Aussprache. Das liegt zum einen daran, dass das Abonnement, weil es ein französisches Wort ist und deshalb gespitzter Lippen bedarf, wirklich ein Zungenbrecher ist, weshalb viele Leser es lieber gleich mit Abo abkürzen oder einfach deutsch aussprechen, so wie es geschrieben wird. Zum anderen versuchen viele Anrufer, den Abonnenten ebenfalls französisch auszusprechen, was aber nicht funktioniert, weil es so klingen muss, wie es geschrieben wird.

Darum geht es mir, denn ich habe eine Frage: Immer dann, wenn die Leute in der Leitung bei dem Abonnement oder dem Abonnenten ins Stolpern geraten, kann ich nicht anders und muss schmunzeln, was die Leser natürlich nicht sehen, auch nicht, weil es leise ist, hören können, und habe ein schlechtes Gewissen - muss ich mich deshalb schämen? Ein kleines bisschen wenigstens, auch wenn ich mich ganz bestimmt nicht lustig machen möchte? Eine Antwort wäre mir gerade heute wichtig, denn heute um kurz nach elf musste ich für ein paar Minuten mein Büro verlassen und ein paar Gänge auf mehreren Etagen durchschreiten, um anschließend wieder voll konzentriert meine Arbeit aufnehmen zu können. Verantwortlich dafür waren zwei Anrufe von Lesern, die mit der gleichen Wortfindung nicht ganz klar gekommen sind. Eine Frau fragte mich: "Es geht mir um die Rezession des Konzerts mit der französischen Sängerin ZaZ, ich habe dazu eine Frage, können Sie mir helfen?" Ein Mann bemerkte nur wenige Minuten später: "In der Rezession über den Roman von (...) kann etwas nicht stimmen, bitte weisen Sie den Verfasser des Artikels darauf hin." Einer Kollegin, die mich auf dem Gang fragte, was los ist, habe ich gesagt: "Möge der wirtschaftliche Abschwung uns erspart bleiben." Nun habe ich wirklich kein gutes Gewissen mehr. Und sollte ich im Glashaus sitzen, darf man mit Steinen nach mir schmeißen. 

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