Wenn ich die Möglichkeit hätte, den Seufzer, den ich gerade von mir gegeben habe, als Audiodatei in diesen Blogeintrag zu integrieren, so würde ich mir die größte Mühe geben, ihn zu wiederholen und aufzunehmen, denn es ist leider genau so: Momentan melden sich mehr oder weniger ausschließlich Leser bei mir, weil sie sich über einen Artikel in der Zeitung geärgert haben und nun hoffen, nachdem sie ihn mir mitgeteilt haben, dass sie sich hinterher besser fühlen, weil sie davon ausgehen können, dass ich den Autoren der Berichte und Reportagen beziehungsweise den verantwortlichen Kollegen in der Redaktion davon berichte. Nun habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder verzichte an einem solchen Tag auf den Blogeintrag, weil es nichts zu erzählen gibt, was auch nur annähernd dazu geeignet wäre, zum konstruktiven Nachdenken anzuregen oder, was mir noch viel besser gefällt, für Heiterkeit zu sorgen. Oder ich gebe wieder, was ich von Lesern erfahren habe und überlasse jedem selbst, welche Gedanken ihm dabei durch den Kopf gehen und wie er die Reaktionen der Leute bewerten möchte. So soll es also sein:

Episode 1: Auf einer doppelseitigen Panoramaseite in der Beilage "Wochenende" am vergangenen Freitag ging es unter der Überschrift "So versorgt sich Sachsen selbst" um regionale Lebensmittel und welche Ressourcen die Branche in Sachsen hat. Für eine Leserin war das Anlasse, zu einem Rundumschlag auszuholen, wie die Konzerne nach der Wende über den Osten hergefallen sind und alle in der Region bislang produzierten Lebensmittel vom Markt verdrängt haben. Unter anderem meinte sie: "Unsere Menschen fielen wie wild über alle Waren aus dem Westen her" und  "diese Entwicklung des Kaufverhaltens der Menschen wurde nach der Wende durch die neuen Besitzer und Bestimmer im Handel gezielt gefördert; sie verboten ihren Einkäufern unter Androhung ihrer Entlassung regionale Waren aus dem Osten einzukaufen."

Episode 2: Unter der Überschrift "Der coolste Lehrer der Welt" ging es am Montag auf der Seite "Zeitgeschehen" um einen Lehrer am Gymnasium in Eilenburg, der nach einem Vorschlag der Schüler mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet worden ist. Ein Leser meinte dazu: "Was ist das für ein Superlehrer, der nur mit lernwilligen Schülern im Gymnasium zurecht kommt? Die Lehrer an den Oberschule, die Hauptschüler unterrichten, Lehrer an Sonderschulen (besonders Erziehungsschulen) und Lehrer vor unwilligen Lehrlingen (Werkerausbildung), die man durch eine IHK- oder HWK-Prüfung bringen muss - das sind für mich die wahren Helden im Lehreralltag."

Episode 3: Zum Beitrag "Bald straffrei nach Unfallflucht?" veranlasste einen Leser zu einer tiefgreifenden Systemkritik: "Es gibt leider viele Beispiele dafür, dass uns unsere Regierungen mit überzogenen wie allzu verinnerlichten preußischen Zucht- und Ordnungsvorstellungen im Zaum halten, weil es angeblich nicht anders ginge. Sie kümmern sich viel zu wenig um die großen Risse in unserer Gesellschaft und lassen deren Verursacher gewähren."

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