Nur ein Auto, aber das reicht ...

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Die Reaktionen bei mir am Telefon zwischen zehn und zwölf auf die Fotonachricht gestern auf der Titelseite der "Freien Presse" über die Reparatur des im Schlossteich versenkten Autos als Teil der Freilichtausstellung "Gegenwarten" innerhalb der Bewerbung von Chemnitz um den Titel Kulturhauptstadt Europas haben zur Folge, dass ich mir im Netz einen Antrag auf den vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand heruntergeladen habe und jetzt ernsthaft überlege, ihn auszufüllen und einzureichen. Zwei Beispiele von heute mögen als Beleg für meine Motivation zu diesem Schritt reichen: "Ich verstehe etwas von Kunst", leitete ein Holzgestalter aus dem Erzgebirge seine Meinung zu diesem Thema ein und brachte sie dann unter anderem mit dieser Einschätzung auf den Punkt: "Völlig plemplem." Fünf Minuten später rief mich ein Mann an, der mir erzählte, dass er seinen ausrangierten und im Keller stehenden Kühlschrank nach oben geholt und auf die Straße gestellt habe, wobei er an dieser Stelle eine schöpferische Pause von etwa drei Sekunden einlegte, bevor er hinzufügte: "Dann habe ich ein Schild mit dem Hinweis, dass das Kunst ist und nicht weg kann, auf den Kühlschrank gestellt und beobachte seit dem, wie die Leute sich verhalten, wenn sie daran vorbeigehen, und ich kann Ihnen sagen, dass ..." Ein anderer teilte mir mit, dass er den Deutschen Steuerzahlerbund angesichts dieser Verschwendung von öffentlichen Mitteln informiert habe, während eine Leserin mir erklärte, wie viele an Hunger leidenden Kinder auf dieser Welt man mit den 20.000 Euro hätte helfen können, und ein anderer Anrufer mir versicherte, wie sehr er sich freuen wird, wenn Chemnitz bei der Vergabe des Kulturhauptstadttitels leer ausgeht. Tut mir leid, wenn ich diesmal etwas arg gebeutelt klinge, weil auch die Schokolade und "Hinterm Horizont gehts weiter" von Udo Lindenberg mir keine Besserung gebracht haben, doch meine eigene Ohnmacht, die ich verspüre, wenn ich solche Gespräche führe, befremdet mich außerordentlich.

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