Ein paar Minuten lang habe ich gerade darüber nachgedacht, ob ich diese Tatsache als eine auch nur nüchterne einfach ignorieren und so tun soll, als würde sie mich darüber hinaus gar nicht berühren oder sogar beeindrucken. Dann würde ich aber, wie an jedem anderen Tag von Montag bis Freitag, wieder ausschließlich darüber schreiben, was mich, eben typisch für diese Zeit der Krise und Veränderungen, an Negativität oder Verunsicherung sowie Belehrungen und Verbesserungen von Lesern erreicht hat. Etwa in diesem Sinne: "Bitte legen Sie den Kollegen in der Redaktion doch mal nahe, die Bücher von Albert Drexel zu lesen, weil sie dann anders über dieses Thema denken und schreiben würden", meinte ein Leser, was dazu führte, dass ich die Suchmaschine bemühen musste, um auf die Seite "Kathpedia" (Freie Katholische Enzyklopädie) zu gelangen und dort lesen zu können, dass dieser Mann bis 1977 unter anderem Experte für Rassenfragen am Vatikan war. Dann müsste ich auch gestehen, dass es Momente gibt, in denen ich das Gefühl habe, mir könnte gleich übel werden, wofür ich dieses Beispiel nennen möchte: "Corona ist schon ein faszinierendes Virus", teilte mir ein Leser mit und fügte hinzu: "Es kann sich offenbar nur bei denjenigen Demonstrationen verbreiten, die von bösen Rechten organisiert werden. Wenn gegen Rassismus oder gar gegen den schrecklichen Donald Trump aufmarschiert und vielleicht auch ein bisschen randaliert und geplündert wird, kann die Menschenmenge also gar nicht groß genug sein." 

Doch bevor ich der Versuchung erliege, auch heute diese Zeilen dazu zu nutzen, das zu kompensieren, was in meinen Gehirnwindungen eine Eigendynamik bekommen und mich dann betrüben könnte, schreibe ich lieber, worum es mir diesmal wirklich geht: Dies ist der 1500. Blogeintrag des Leserobmanns der "Freien Presse" (der erste erschien übrigens am 13. August 2010, alle sind doch online abrufbar). Ob das für mich ein Grund zum Feiern ist? Na klar, aber das muss ich leider mit mir selbst ausmachen, weil von den sieben Leuten, die mir als Leser meines Blogs bekannt sind, niemand sich in unmittelbarer Nähe oder in einem der Redaktionsräume befindet, doch wird das meinen Genuss der bitteren Schokolade ("Ingwer und Lemmon") gleich nicht trüben, wenn ich diesen Jubiläumseintrag freigegeben habe, das Glas mit meinem Lieblingssmoothie erhebe und mir selbst sagen werde: Du kannst stolz darauf sein, zumindest ein bisschen, weil Du so lange aus- beziehungsweise durchgehalten hast. Sollte das jemand anders sehen und zufällig über diese Zeilen stolpern, so möchte ich ihn bitten, freundlicherweise zu schweigen: Mit dem Wissen um die 1500 Einträge möchte ich mich uneingeschränkt darüber freuen dürfen, ich bitte um Nachsicht und Verständnis.

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