Da ich selbst auch zu den Menschen gehöre, die einer zunehmenden und vermeintlich zügellosen Einflussnahme von der sogenannten künstlichen Intelligenz auf unser Alltagsleben gehöre, bin ich für jeden Hinweis von Lesern dankbar, in denen sie mir mitteilen, dass sie in Zeitung mal wieder etwas gefunden haben, dass ihnen einen Beweis dafür liefert, dass man manchmal besser seinen Verstand einsetzen sollte, statt einem Computerprogramm zu vertrauen. Als einen Intelligenztest würde ich es nicht gerade bezeichnen wollen, aber ich möchte das, was der Anrufer mir als Beispiel für die Berechtigung seiner Kritik genannt hat, trotzdem nicht einfach nennen, sondern habe den Absatz aus einem Bericht über ein Handballspiel bei der Europameisterschaft kopiert, was bedeutet: Jeder möge nun (siehe oben) nach dem Beleg für die beschränkten Möglichkeiten eines Programms zur Unterstützung meiner Kollegen bei ihrer Arbeit suchen; wer ihn nicht findet. hat aber Pech, Anfragen dazu werde ich leider nicht beantworten können; ich bitte um Nachsicht. Und in diesem Fall mal wieder um Hilfe: Eine 91-jährige Frau hat mich heute angerufen, nachdem sie meine Kolumne "Nur ein Mensch" auf der Seite "Leserforum" gelesen hatte, und mir zunächst erzählt, dass sie seit mehr als fünf Jahrzehnten nun bereits Autogramm sammelt und dieses Hobby, weil sie leider nur noch selten aus dem Haus kommt, zu ihren liebsten Beschäftigungen gehört, wenn sie die einzelnen Fotos mit Unterschriften durchgeht und dabei in Erinnerungen schwelgen kann. Trotz der sofort eingeleiteten Suchaktion im Netz konnte ich der Dame nicht mit einer Anschrift helfen, denn die Person, deren Namenszug sie gern auf einem Foto hätte, ist nur digital im Internet zu finden: Greta Thunberg. "Vielleicht meldet sich bei mir jemand und teilt mir mit, wohin man seine Anfrage schicken kann", habe ich der Leserin noch gesagt, ohne ihr weiter erklärt zu haben, was ein Blog ist. Und dann erreichte mich heute noch der Anruf von einem Leser aus der (von mir intern so spezifizierten) K-Fraktion, der tatsächlich kein Unbekannter für mich war, weil er mehr oder weniger regelmäßig sich bei mir meldet und den Finger dort in die Wunde meiner Kollegen legen möchte, wo es seiner Ansicht nach besonders wehtun könnte. Zunächst fragte er mich (mal wieder): "Scheinbar und anscheinend – der Unterschied in der Bedeutung dieser beiden Wörter dürfte Ihnen doch mittlerweile bekannt sein, oder etwa nicht?" Sofort setzte dieser mentale Mechanismus bei mir ein: Ich hustete einmal, bat um Verzeihung, hustete ein zweites Mal, legte das Headset meines Telefons zur Seite, was der Mann mitbekommen musste, wobei ich während dieser gewonnenen Sekunden mit einem (atemberaubenden) Tempo von hochgerechneten 400 Anschlägen pro Minute die beiden Wörter in die Suchmaschine eingeben und antworten konnte: "Na klar, mit anscheinend wird die Vermutung zum Ausdruck gebracht, dass etwas so ist, wie es erscheint, während das  Adjektiv scheinbar besagt, dass etwas nur dem Schein nach, nicht aber in Wirklichkeit so ist, wie es sich darstellt." Touché, habe ich gedacht, weil der Leser schwieg, doch dann durfte er mir doch noch den Satz aus einem (sorry, liebe Kollegen, wieder auf Seite Sport) Bericht über die Handball-EM vorlesen, er lautete: "Scheinbar ging das recht flott, denn zur EM nahm er seinen neuen Spieler gleich mit." Ob ich mit K-Lesern ein Problem habe? Scheinbar nicht.

Weitere Blog-Einträge


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN