Manchmal bringen Leser ihre Meinung mit diesem Satz auf den Punkt: "Das glauben Sie doch wohl selber nicht." Vor einigen Wochen habe ich auch schon mal diese Variante der gleichen Annahme eines Anrufers gehört: "Das können Sie meinetwegen Ihrer Oma erzählen." Heute gab es zwei Gespräche mit Leuten am Telefon, die ich zu dieser Kategorie zählen würde, denn ein Mann in der Leitung meinte: "Ich glaube, da müssen Sie ihre Kollegen noch mal in die Spur schicken, das kann nämlich so ganz bestimmt nicht stimmen." Der zweite Anrufer wählte ein bekannte, aber leider nicht bis zum letzten Wort zitierbare Formulierung dafür, dass diese Information in der Zeitung in Zeitung nicht stimmen kann; er sagte: Wollen Sie ihre Leser ver... ?" Bevor ich darüber aufkläre, um welchen Artikel in der heutigen Ausgabe der "Freien Presse" es überhaupt geht, möchte ich betonen, dass ich bei der morgendlichen Lektüre der Zeitung diesen Gedanken hatte, als ich die Nachricht zur Kenntnis nahm: Gut, dass das nicht in meiner Region passiert ist, denn ich zweifle doch sehr daran, dass das stimmt, was mein Kollege dort geschrieben hat.

Also: Es geht um die Bildnachricht auf der Seite "Sachsen" mit der Überschrift "Löscharbeiten an Lippendorfer Lagerhallen halten an". Die beiden Anrufer bezogen sich auf diese drei Sätze: "Das Feuer war aus bislang unbekannter Ursache am Montag in drei Hallen mit gepressten Plastikabfällen ausgebrochen. Die Fraktion der Grünen im Sächsischen Landtag äußerte die Sorge, dass bei dem Großbrand gefährliche Stoffe entstanden sein könnten. Bislang vorgenommene Messungen haben diese Befürchtung aber nicht bestätigt." "Glauben Sie mir, ich kenne mich aus: Wenn Plastik in solchen Mengen verbrennt und die aufsteigen Dämpfe nicht gefiltert werden, ist das, was da in die Luft steigt, garantiert alles andere, aber ganz bestimmt nicht harmlos und mit Sicherheit auch gefährlich, wenn der Mensch diese Gase einatmet", meine der eine Anrufer. Der andere sagte: "Rufen Sie Ihren Fotografen doch mal an und fragen ihn, ob er sich uneingeschränkt wohlgefühlt hat in der Nähe diese Feuers oder ob er nicht gedacht hat, dass es besser sei, schnell wieder zu verschwinden, will es einfach schon nach Gefahr stinkt, was er da einatmet", und fragte noch: "Meinen Sie, dass Sie noch herausbekommen können, um welchen Messungen es sich dabei überhaupt gehandelt hat? Das ist alles sehr mysteriös, irgendwas stimmt da nicht."

Verschweigen möchte ich auch nicht, dass der (von mir so getaufte) "oberste Hüter der deutschen Sprache", der durchschnittlich einmal in der Woche sich bei mir meldet und etwas kritisiert, was seiner Meinung nach sprachlich nicht in Ordnung ist, sich auch noch wegen dieser Bildnachricht bei mir gemeldet hat: "Arbeiten können nicht anhalten", sagte er; diese Formulierung gäbe es nicht in der deutschen Sprache dafür, was richtig heißen muss: "Löscharbeiten (...) dauern an." Nun denn, dachte ich in diesem Moment, so ganz unrecht hat der Mann wohl nicht, wobei ich auf die Uhr schaute und feststellte: Noch zehn Minuten bis 12 Uhr.

Weitere Blog-Einträge