Wo ich denn so lange bleibe, fragte mein Mann, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Er sei mit den Kindern im Baumarkt gewesen und habe das Hässlichste gekauft, was man in Baumärkten kaufen kann. Dann kommandierte er mich zum Kofferraum seines Kombis und bat mich, einen Karton mit dem Gewicht eines Mastschweins herauszuheben. Darin verpackt sei ein runder, vier Meter siebenundzwanzig großer, himmelblauer Aufstellpool inklusive Filteranlage und Leiter, erklärte mein Mann und wischte sich Schweiß von der Stirn. Er versuche bereits eine gewisse Zeit, das Teil allein aus dem Auto zu heben.

Kind 1 und Kind 2 hatten ihre fünf besten Freunde zusammengetrommelt. Sie standen ebenfalls vor dem Kofferraum, in freudiger Erwartung auf ein paar nette Schwimmeinheiten. Kind 1 verkündete bereits seine privaten Baderegeln. Nummer eins: Niemand dürfe hier herumschwimmen, wenn Kind 1 nicht zu Hause ist.

Wie Warzen wachsen Aufstellpools in Wohnsiedlungsgärten. Das ist ähnlich wie mit Lausbefall am Apfelbaum, nur dass diese himmelblauen Plastikwarzen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Hinter meterhohen Thujahecken hört man vormittags die Schichtarbeiter planschen und nachmittags die glühenden Kinder. Wir Deutschen machen uns die Klimaerwärmung so angenehm wie möglich.

Kind 1 und Kind 2 wünschten sich lange einen Pool für unseren Garten. Als sie sagten, ohne Pool könnten sie den Sommer nicht überstehen, wurde mein Mann panisch und fuhr mit ihnen in den nächstgelegenen Baumarkt. Spontan kaufte er das letzte verfügbare Exemplar, denn es waren Pool-Rabatt-Wochen.

Wir hoben die Kiste aus dem Auto, fummelten den blauen Plastikknäuel heraus, legten ihn auf die Wiese, wollten die Metallstäbchen zum Aufstellen einschieben und den Schlauch reinhalten. „Da muss aber was drunter“, rief der Nachbar über den Zaun. Etwas später stand der Garten voller Nachbarsmänner, die Bier tranken und die blaue Plastikplane anstarrten. Und als Kind 1 und Kind 2 am nächsten Morgen vergeblich ihren Pool auf der Wiese suchten, erklärte mein Mann, das gehe nicht so einfach, das nun wirklich nicht. Gerade habe er Nachricht von einem Kameraden aus der Wasserwirtschaft erhalten. Bei der Fliesgeschwindigkeit aus unserem Wasserhahn dauere es zwei Tage, bis das Teil vollgelaufen sei. Und so weit sind wir noch lange nicht.

Fortsetzung folgt.

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