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Pure Armut tief im Busch, Migranten aus Angola

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Mit dem Landrover fahren wir durch die Flutebene zur Vorschule. Auf der Fahrt dahin entdecke ich einige neue Ansiedlungen im Busch. Marcus bestätigt, dass immer mehr Angolaner auf die namibische Seite des Okavango Flusses kommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie siedeln sich hier illegal an und entbuschen sich dafür ein Stück Land. In der Flutebene zu leben, birgt jede Menge Gefahren in sich. Mit der Flut können die Menschen schnell von den Wassermassen eingeschlossen sein. Die Verwaltung der Kavangoregion Ost fordert seit Jahren die Menschen auf, sich oberhalb der Flutebene anzusiedeln, was einige eingesessene Familien befolgt haben. Nun drängen aber vermehrt Sippen aus Angola nach. Sie errichten sich nach alter Tradition ihre Kraals, haben hier weder Wasser noch Elektrizität und keine Toiletten. Das Wasser befindet sich in der Regenzeit direkt vor der „Haustür“. In kleinen wie in großen Tümpeln wird gewaschen, werden Fische gefangen in selbst hergestellten Reusen oder auch mit Moskitonetzen, Exkremente zerteilen sich im Wasser. Ungeachtet dessen wird das Wasser nicht abgekocht und oft aus der hohlen Hand getrunken.

Die Familien kochen mit Feuerholz, welches täglich im Busch gesammelt wird. Große schattenspendende Bäume, meist die mondänen Manketti-Nuss-Bäume, werden vom Stamm her angebrannt, um sie schneller zerlegen zu können. Es dauert mindestens 20 Jahre, bis solche Bäume wieder herangewachsen sind und genügend Schatten spenden. Die übersiedelten Angolaner verfügen über keinerlei Einkommen. Sie sind wie viele weitere Kavangos (*) hier auf Früchte, Nüsse und kleine essbare Pflanzen des Busches angewiesen. Für Mais, Hirse und Mutete, eine Art wilder Spinat, legen sich die Familien einen Garten an und verwenden zum Schutz vor Tieren Dornengestrüpp als Gartenzaun.

Wir besuchen eine angolanische Familie, die sich vor knapp einem Jahr in der Flutebene niedergelassen hat. Die Mutter ist schwanger, vier Kinder sitzen in der Sonne, eines auf dem Schoß der Mutter, mindestens zwei davon sind schulpflichtig. Ein Mädchen dieser Familie besuchte einige Zeit unsere Vorschule. Es ist freudig erregt, da das Kind uns in englischer Sprache begrüßen kann. Marcus berichtet, dass die Kinder nach einem Jahr Wartezeit die staatliche Schule besuchen dürfen. Nach fünf Jahren Wartezeit können die Einwanderer mit gewissen Auflagen Staatsbürger Namibias werden. Aber ohne jegliche Geburtsurkunden haben sie keine Chance auf finanzielle Unterstützung. Gudrun ist geschockt, diese Bilder lassen sie nicht los, kommen wir doch auf der für uns nicht ungefährlichen Fahrt durch teilweise strömendes Wasser immer wieder bei dieser Familie vorbei. Wie überleben sie, wenn sie kein Geld haben, wenn sie von Wasser eingeschlossen sind? Gudrun versorgt wichtigste Lebensmittel, ein paar Kleidungsstücke und einen kleinen Ball für die Kinder. Ein kleiner Lichtblick besteht für die Familie, denn mit Beginn des zweiten Trimesters Mitte April dürfen die größeren Kinder die staatliche Schule besuchen und dann bekommen diese Maisbrei in der Schule.

Wir treffen auf der Fahrt zurück aus der Stadt Rundu einen fröhlichen alten Mann aus Angola, der sich ebenfalls mit seiner mittellosen Familie im Dorf Mayana niedergelassen hat, wohl überlegt außerhalb der Flutebene. Seit längerer Zeit erhält diese Familie durch unser Mayana Mpora Projekt monatlich einen 20-Kilogramm schweren Sack Maismehl. Der Mann trägt eine alte Brille, die ihm Pieter Peypers, der Besitzer der n‘Kwazi Lodge, vor längerer Zeit geschenkt hatte und die inzwischen am heißen Feuer repariert werden musste. Welch großes Glück war dem Großvater beschieden, als wir einige von Gudruns mitgebrachten Brillen testeten. Die Familie bricht in Jubel aus, nachdem das Familienoberhaupt seine Enkel wieder erkennt und ein paar Tage später kommt uns der alte Mann strahlend auf der Schotterstraße entgegen.

(*) zu Kavangos werden die 5 verschiedenen Stämme zusammengefasst, die hier zu beiden Seiten des Okavango Flusses leben.

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