Quarantäne-Aufgaben

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Die Große bearbeitet für die Schule einen Fragebogen: "Was hast du in der Quarantäne gemacht, was du sonst nicht gemacht hättest?" Die Aufgabe soll helfen, über die aktuelle Situation nachzudenken und darüber, was man selbst wichtig findet. Leider fällt meiner Tochter nichts ein.

Ich mache Vorschläge: Eine Pferderennbahn auf den Fußweg zeichnen und mit den Nachbarskindern Pferderennen veranstalten, wobei aus Infektionsschutzgründen immer nur ein "Pferd" die Bahn betreten darf. Kuchenbacken mit Papa. Beten vor dem Essen. (Dabei haben wir einen Riesenspaß, weil der Mittlere die Augen so lustig zukneift und die Kinder so laut beten, dass man es garantiert im Himmel hört). Mir fällt einiges ein, aber meine Tochter sagt: "Das hätten wir doch auch ohne Corona machen können." Wohl wahr. Haben wir aber nicht. Mit Ausnahme von Punkt elf des Aufgabenblatts: "Mach etwas Verrücktes (tanze durch die Wohnung, singe laut)." Das tun meine Kinder täglich.

Einige Aktivitäten der vergangenen Wochen wären auch "ohne Corona" möglich gewesen: Löwenzahnhonig herstellen. Sämtliche Schienen und Bauteile der Holzeisenbahn verbauen. Sich vom großen Kind bekochen lassen (Nudeln mit garantiert tomatenstückefreier Tomatensoße). Eine "Fahrradtour" rund um die Altstadt. Einen Brief an Menschen im Altenheim schreiben. Morgens Zöpfe flechten.

Aus Erwachsenensicht wird die Liste noch länger: Einen neuen Laptop kaufen. Man muss jetzt nicht mehr erst Kaffee oder ein Fünf-Gänge-Menü kochen, bis der Rechner endlich hochgefahren ist. Online-Poker spielen mit Freunden aus der Studentenzeit. Fern-Schach spielen, mit einem Freund – wobei sich die Partie über mehrere Wochen hinzieht, weil die Kinder entdeckt haben, dass die magnetischen Spielfiguren vom Reiseschachbrett auch am Kühlschrank hübsch aussehen.

Was aber "ohne Corona" wirklich nicht möglich wäre: Fahrradfahren auf einem leeren Parkplatz. Mit einer Schere in der Hand rückwärts vom Kinderstuhl klettern, wenn man erst ein Jahr alt ist (Die Erzieherinnen würden ihm das schon austreiben…). Auch der Moment, in dem die Große zum ersten Mal mit Füller schrieb, mit Countdown und Anteilnahme der gesamten Familie, wäre "ohne Corona" an uns vorbeigegangen. Vielleicht benutzt sie den Füller sogar, um doch noch ihren Fragebogen auszufüllen.

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