Ich träume nichts. Während sich andere ins Bett legen, ihre Augen schließen und im Geiste private Fantasy-Filmchen drehen, läuft bei mir: nichts. Sendeschluss im Kleinhirn und im Stammhirn und im Großhirn. Meine Gedankenwelt hat Stromausfall. Diese Rauhnächte, die gerade zu Ende gegangen sind, die Nächte zwischen Weihnachten und Anfang Januar, haben mich also traumtechnisch wieder keinen Schritt weitergebracht. Angeblich sollen die Träume in diesen zwölf Nächten wichtig sein. Sie deuten angeblich an, was im neuen Jahr alles passieren könnte. Wenn man abergläubisch ist.

2020 und nichts los bei mir. Während ich leer ausgehe, werden Kind 1 und Kind 2 fast jede Nacht mit Träumen beschenkt. Hier die Top drei ihrer Rauhnachtsfantasien.

Nummer drei: Kind 2 wollte eine Flasche in den Leergutautomaten stecken, wurde versehentlich mit eingesaugt durch das schwarze Loch und brüllte um Hilfe, weil es sich allein nicht aus der Monstermaschine befreien konnte. Dieser Traum verfolgt das Mädchen bereits eine gewisse Zeit. Wir haben uns schon an ihn gewöhnt. Er ist lästig wie ein Pickel. Keine Ahnung, was er zu bedeuten hat.

Nummer zwei: Dieser Traum stammt von meinem Sohn, besser bekannt als Kind 1. Nachts erschien ihm ein Fuchs mit Dackelschwanz, der um seine Hühner-WG herumschlich. Diese WG befindet sich in unserem Vorgarten und besteht aus fünf Hennen und einem Hahn. Ich habe bereits davon erzählt. Jedenfalls knabberte der Fuchsdackel gerade in dem Moment am Hühnerzaun, als Kind 1 den Stall säubern wollte. Der Junge packte den Fuchsdackel am Schwanz, schleuderte ihn durch die Luft und rettete seinen Hennen damit das Leben. An diesem Traum stört mich nur der Dackelschwanz. Den Rest halte ich für realistisch, zumindest die Szene, in der ein Fuchs den Hühnern nach dem Leben trachtet.

Traum Nummer eins entsprang dem Geiste von Kind 2. Dem Mädchen erschien eines Nachts ein großer Bruder, mindestens sechszehn oder älter. Sein Alter ließ sich schlecht schätzen, sagt Kind 2, denn der Kopf war so groß und rund wie ein Basketball. Aus dem Kopf konnte er die Luft ablassen, und das sah gefährlich aus. Der Basketballkopf-Bruder machte immer „Huuuäää!“, wenn er Kind 2 sah. Das kam nicht gut an bei dem Mädchen. Es schreckte hoch aus dem Schlaf und schaute in allen Zimmern nach, ob da komische Typen hocken. Ich deute den Traum so, dass uns auch dieses Jahr im Alltag wieder viele Gespenster erschrecken werden. Wir werden sehen, wie hässlich ihre Gesichter sind und was sie mit uns vorhaben.

Und noch ein Rauhnachtsgedanke, der Kind 1 schwer im Magen liegt. Der Junge hat Angst, dass Silvesterknaller verboten werden. Aber er liebt Böller und bunte Raketen und alles, was kracht. Auch das gibt‘s, kenn ich von früher. Am Anfang ist die Welt noch voller Magie, und dann kommt der große Knall.

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