Wieder einmal komme ich leider nicht daran vorbei, in meinen Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf auch davon zu erzählen, was ich gerne loswerden möchte, damit es meine Gehirnwindungen verlässt und ich am Wochenende nicht in Versuchung gerate, über das eine oder andere Thema weiter zu grübeln:

Episode 1: Weil des Lesers Wille und Wunsch mir meistens Befehl sind und ich dem Mann zwar erklären konnte, dass es im Internet nicht einmal 30 Sekunden dauert, um eine Mailadresse oder Telefonnummer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden, wollte er trotzdem nicht auf meine Hilfe verzichten, um dem Wirtschaftsminister eine Nachricht zukommen zu lassen, doch reichte es dem Anrufer, dass ich das, was er ihm zu sagen hat, im Netz veröffentliche, was hiermit geschieht. Des Lesers Botschaft ist diese: "Lieber Herr Altmaier, mit Ihrer Forderung zur grundlegenden Reform des politischen Systems in Deutschland und damit einer Verschlankung des deutschen Bundestages haben Sie zum ersten Mal einen vernünftigen Gedanken geäußert. Diese gilt es nun in die Tat umzusetzen."

Episode 2: Diesem Leser aber, ich betone es mal, wollte ich abschließend nicht helfen, wobei das anfangs durchaus meine Absicht war, doch im Laufe des Gesprächs dann leider nicht mehr zu rechtfertigen war. "Mich interessiert, wie groß der Stromverbrauch und die damit verbundenen Kosten bei Elektroautos pro 100 Kilometer sind", formulierte er anfangs seine Bitte. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich im Netz eine Seite gefunden, auf der erklärt wurde, wie sich das bei der Berechnung dieser Kosten verhält und welche Faktoren dabei zu berücksichtigen sind, und das habe ich dem Mann erklärt, es hat so etwa zwei Minuten gedauert. "Und bei den einzelnen Modellen?", war seine nächste gewünschte Auskunft, die ich aber mit einer Gegenfrage im verweigerte: "Haben Sie kein Internet?" Habe er nicht, nur ab und zu würde er seinen Enkel darum bitten, für ihn mal etwas im Netz zu recherchieren. "Das dauert mir aber gerade zu lange", teilte er mir mit, nachdem ich wissen wollte, warum er nun meine Hilfe braucht. Also lenkte ich ein und suchte den Verbrauch von ein paar Elektroautomodellen und nannte ihm die Zahlen. Das Ende der Unterhaltung leitete er dann selbst ein mit der nächsten Frage: "Können Sie das für alle großen Marken rauffinden, ausdrucken und mir zuschicken?"

Episode 3: Nur der Vollständigkeit halber, weil mein Blog auch für mich manchmal ein Ventil sein darf, möchte ich darüber informieren, dass mich am Tag es des Erscheinens der Meldung mit der Überschrift "Sachsens erste Gerichtspräsidentin" viel Leser angerufen und ausnahmslos (mal mehr und mal weniger höflich) geschimpft haben. Es mag zwar erstaunen, was für mich weniger gilt, doch alle hatten sich gemeldet, weil ihnen dieser Satz in die Nase gefahren war: "Wie das Justizministerium mitteilte, trat die gebürtige Westfälin die Nachfolge von Martin Uebele an, der seit Dezember 2017 Präsident des Landgerichts Dresden ist." Vermutlich muss ich nicht weiter erklären, dass es den Anrufern um die "immer noch anhaltende Besetzung von Spitzenpositionen mit Wessis" ging, doch verzichte ich darauf, weiter auszuführen, was diese Leute an Argumenten für ihre Einschätzung mir vortrugen. Soll heißen, ich ließ sie reden und hörte zu. Doch allen habe ich abschließend, eingepackt mit in meine Verabschiedung, dies gesagt: "Die Juristin lebt auf den Tag genau so lang im Osten und hier in der Region wie ich, es sind jetzt 26 Jahre."

Episode 4: Dieser Leserin war jedoch bewusst, dass ich "von drüben" komme, denn sie fragte mich mit einem Verweis auf das Gerichtsurteil: "Gab es bei Ihnen damals in der Grundschule eigentlich auch schon Kopfnoten?" Nachdem ich ihr das bestätigt hatte, hakte sie nach: "Und?" Einen Moment habe ich gezögert, dann gesagt: "Beim Fleiß war ich immer gut, nur in Betragen und Ordnung habe ich mir von meiner Mutter immer sagen lassen müssen, dass es dort noch Entwicklungspotenzial gibt." Die Frau in der Leitung lachte ein paar Sekunden lang, bevor sie mir sage: "Das wollte ich doch gar nicht wissen, mich interessiert Ihre Meinung zu Kopfnoten."

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