Solche Vorschläge von Themen, die nach Ansicht der Leser, die mich deswegen angerufen haben, unbedingt in die Zeitung gehören, finde ich gerade in diesen Zeiten besonders aufbauend, denn sie geben mir das Gefühl, dass ich mit meiner Einschätzung der aktuellen Lage so verkehrt nicht liegen kann, denn diese Frau meinte: "Bitte recherchieren Sie doch einmal, wie hoch die Rente der noch lebenden SED-Funktionäre heute ist und berichten dann darüber, wie sich die Zahlen zu den durchschnittlichen Renten im Osten verhalten und wie groß die Differenz zur geplanten Grundrente ist, die Menschen erhalten sollen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben." (Ehrlich gesagt war das jetzt gerade kein wörtliches Zitat, sondern nur ein inhaltliches, denn wenn ich die Formulierungen der Anruferin wiedergeben würde, bräuchte ich den doppelten Platz dafür, der sich dann jedoch wieder um die Hälfte reduzieren würde, weil ich alle Schimpfwörter und die Würde des Menschen diskreditierenden Äußerungen streichen müsste. Alles klar?) Nicht weniger bezeichnend für die etwas komplizierteren Zeiten gerade war die Unterhaltung mit einem Leser, der zunächst von mir wissen wollte, was ich von Pornografie halte, wobei ich (natürlich) nicht eine Sekunde lang darüber nachgedacht habe, ihm mein persönliche Haltung zur "direkten Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualakts, in der Regel mit dem Ziel, den Betrachter sexuell zu erregen" (Wikipedia) halte, sondern mich mit vermutlich nicht gerade weisen, aber in diesem Fall jedoch zweckdienlichen Aussage aus der Affäre gezogen habe: "Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, und das darf er auch in jeder Beziehung für sich behalten." Damit war der Mann in der Leitung nicht unzufrieden (seit ein paar Tagen spüre ich die Tendenz zu doppelten Verneinungen in mir) und meinte dann: "Also ist Pornografie kein eindeutig positiv oder negative besetzter Begriff." Widersprochen habe ich ihm da nicht, doch die Diskussion im Anschluss daran war wenig erbaulich, weil es dem Anrufer ausschließlich darum ging, den Gebrauch des Wortes "Kinderpornografie" als eine in allen Medien gebräuchliche verharmlosende Bezeichnung für einen schweren Straftatbestand zu kritisieren und zu fordern, dass auch die "Freie Presse" künftig auf die Verwendung dieses Wortes verzichten soll. Meine Reaktion hat ihn nicht wirklich erfreut: "Ich werde meine Kollegen darüber informieren." Den Rest an Zuversicht, dass bald bessere Zeiten anbrechen könnten, hat mir dann dieser Hinweis eines Lesers heute um kurz vor zwölf gegeben: "Bitte setzen Sie für die Verantwortung der Schachrubrik jemanden ein, der auch Schach spielen kann."

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