Rückblick auf das Jahr 2020

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Liebe Freunde,

ein schweres Jahr ist zu Ende gegangen. Corona bedingt war es mir seit 2009 erstmalig nicht möglich, einen weiteren Hilfseinsatz im 2. Halbjahr durchzuführen.

Im Februar/März weilte ich gemeinsam mit Gudrun Gärtner vor Ort in Namibia zur Arbeit an unserem Mayana Mpora Projekt. Gudrun nutzte die Möglichkeit, ihr Patenkind zusammen mit deren Familie zu besuchen.

Land unter in der Flutebene

Der größte Teil des Dorfes Mayana inclusive der n‘Kwazi Lodge und unsere private Vorschule sind in der Flutebene angesiedelt. Während in den letzten drei Jahren im südlichen Afrika große Trockenheit herrschte, waren bereits mit unserer Ankunft sämtliche Zufahrtswege zu unserer Unterkunft in der n’Kwazi Lodge überschwemmt. Die Lodge war ausnahmslos nur noch mit dem Boot erreichbar. Auf einem provisorisch angelegten Parkplatz wurden auch die Fahrzeuge der Touristen abgestellt, wofür zusätzliches Wachpersonal rund um die Uhr benötigt wurde.

Unsere Vorschule

Im Januar 2020 konnten wir 42 Kinder von vier bis sechs Jahren aufnehmen, die durch vier in Ausbildung stehende Vorschullehrerinnen und Flora, der „Mutter für alles“, unterrichtet und betreut wurden. Trotz der Überflutung großer Flächen fand der Vorschulbetrieb ohne Ausnahmen statt. Die Kinder und Lehrer wurden mit ihrem Schulbus abgeholt und teils auf Umwegen in ihre Schule und wieder nach Hause gebracht.

Unterstützung der Patenschüler

Neben der ausschließlich durch Sie, liebe Freunde und Sponsoren, finanzierten Vorschule unterstützten wir zusätzlich 83 der ärmsten Schüler in den Klassen 1 bis 12. An der Mayana Grundschule (Klasse 1 bis 7), der Kombinierten Kayengonaschule (Klasse 1 bis 9) und dem Maria Mwengere Gymnasium (Klasse 8 bis 12) kontrollierten und ergänzten wir während unseres Aufenthaltes die Schulkleidung unserer Patenkinder. 

Wir kauften und verteilten die zur Schulkleidung gehörenden Jerseys für die Wintermonate und Schulmaterial. 12-teilige-Geometrie Sets und Wörterbücher erhielten unsere Patenkinder ab der 6. Klasse. Zusätzlich habe ich in Absprache mit unserer leider in 2019 verstorbenen Valerie Peypers eingeführt, dass wir soweit finanziell verkraftbar jedem Schüler der Klassenstufe acht an der Kombinierten Kayengonaschule ein persönliches Englischwörterbuch und ein Mathematikset zur Eigennutzung überreichen. In diesem Jahr besuchten 88 Schüler die achte Klasse.  Für die Grundschule kauften wir außerdem zwei Präsentationswände, die für eine bessere Wissensvermittlung genutzt werden sollen. Neben den Paten-Schülern am Maria Mwengere Gymnasium konnten wir zwei weitere Schülerinnen im Internat des Rundu Secondary Gymnasiums unterbringen. Ein Sponsor finanzierte zusätzlich die notwendige Versorgung einer Studentin beim Augenarzt und Optiker.

Menstruation

Ein großes Problem ist nach wie vor die prekäre Situation für die Schülerinnen während ihrer Menstruation. Viele Mädchen bleiben während ihrer Periode ein paar Tage von der Schule fern und gehen zum Fluss, um sich sauber halten zu können. Andere Mädchen werden vom Oberhaupt der Familie aufgefordert, sich einen Mann zu suchen, der als Gegenleistung bereit zum Kauf von Monatsbinden ist. Frühe Schwangerschaften sind oft die Folge. 

Ich bin im Besitz eines Videos vom November 2019, wo exakt diese schlimmen Verhältnisse kritisiert werden. Terry Farrell, eine junge Frau vom Stamm der Kavangos beklagte den Tod ihrer Kusine, die während ihrer Periode am Fluss von einem Krokodil getötet wurde. Sie entwickelte waschbare Monatsbinden, stattete eine Werkstatt aus und schulte Frauen zur Produktion ihrer „Reusable Pads“. Sie gründete ihre eigene NGO namens Namibian Partnership Solutions und zeichnet verantwortlich für die Herstellung und den Vertrieb derselben.

Während unseres Aufenthalts im März lud Terry Schülerinnen zu einer gemeinsamen Informations-veranstaltung ein. An diesem Tag konnten wir 60 Mädchen mit waschbaren wiederverwendbaren Pads ausstatten, die mindestens zwei Jahre hintereinander verwendet werden können. Ein Set für ein Mädchen kostet NAD 200 ( ca. 12€)

Corona

Wie auf der ganzen Welt hat Corona in Namibia sehr große Probleme verursacht. Als die ersten Fälle in Windhoek und Swakopmund bekannt wurden, wurde der Schulbetrieb im ganzen Land am 28. März eingestellt. Dies galt auch für die Studenten der Universitäten in Windhoek und Rundu. Die Internate waren geschlossen, so dass unsere Schüler, die hauptsächlich im Busch im Kavango leben, sehr benachteiligt waren. Denn die Online-Vorlesungen waren wegen der schlechten Qualität nahezu unbrauchbar. Trotz fehlendem oder sehr schlechtem Unterricht finden derzeit an allen Schulen und Universitäten Prüfungen statt.

Hunger

Mit der Schließung der Schulen wurde auch die von der Regierung festgelegte Lieferung von Maismehl eingestellt. Die Grundschulkinder sollen während der Schulzeit jeden Schultag Maisbrei bekommen. Denn im Busch ist dies für viele Kinder oft die einzige Mahlzeit am Tag.

Seit Jahren unterstützen wir 20 bedürftige Familien mit Lebensmitteln durch unser Mayana Mpora Projekt. Aufgrund knapper Budgets verteilte Piet Jacobs im November Lebensmittel aus seiner eigenen Produktion an die ärmsten Familien. Piet Jacobs ist der Schwiegersohn des verstorbenen Ehepaares Valerie und Wynand Peypers, die die Eigentümer der n'Kwazi Lodge und Gründer der Mayana Mpora Foundation waren. Piet hat zusammen mit seiner Frau Désire seit September die Verantwortung für das Mayana Mpora Projekt übernommen.

Dank

Liebe Freunde, nicht alles was wir uns in diesem Jahr vornahmen war möglich. Der Tourismus ist mit dem 28.3.2020 zusammengebrochen. Somit fehlten uns auch die Touristen, die mit den von der Lodge angebotenen Aktivitäten wie den Besuch der Vorschule und der Sippen in den Kraals, den traditionellen Tänzen und der Bootsfahrten zum Sonnenuntergang unser Mayana Mpora Projekt unterstützten. 

Deshalb sind wir besonders dankbar liebe Freunde und Sponsoren, dass Sie uns auch in diesem Jahr mit Ihrer Spende geholfen haben, trotz manch eigener Probleme. 

Im Namen des Mayana Mpora Projektes mit den Familien Jacobs und Peypers, im Namen von Bertha Kwandu als Vertreterin des Stammes der Shambyus und Schwester der Königin der Shambyus, in Marcus Kamburu’s Namen als Mitglied des Vereins und Mitglied der Gemeinde Mayana möchte ich mich hiermit sehr herzlich für Ihre großartige Unterstützung bedanken.
Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und bleiben Sie gesund.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Poike

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