Manche Eltern diskutieren über Sinn und Unsinn eines Laufstalls. Für die einen ist er ein Kindergefängnis. Für die anderen ein sicherer Rahmen, in dem das Kind ohne Verbote spielen darf. Manche Eltern diskutieren – ich renne. Denn mal wieder hat jemand die Kinderzimmertür offen gelassen. Und der Kleine ist verdächtig still. Richtig geraten: Er ist die Rutsche vom Hochbett hochgestiegen. Dabei hat er selbstverständlich nicht die Treppe benutzt. Denn die ist so konstruiert, dass ein einjähriges Kind nicht hochkommt. Nur haben die Erbauer des Betts wohl noch nie ein Kind gesehen. Sonst wüssten sie, dass die am liebsten die Rutschbahn hochklettern und nicht die Stufen.

Jedenfalls komme ich ins Zimmer, und der Junge befindet sich in etwa 1,70 Metern Höhe auf der Rutsche. Er weiß genau, dass er das nicht darf. Deshalb lässt er los, sobald er mich hört. Und saust mit Schwung, vor Freude quiekend, nach unten. Das hat er voll im Griff. Aber was, wenn er auf die Idee kommt, seitlich aus der Rutsche zu steigen?

Da ich seine diesbezüglichen Talente nicht unbedingt entdecken will, hat der Kleine Kinderzimmerverbot. Das ist nicht so schlimm, da er ja mit seinem Spielzeug die ganze Wohnung in ein Kinderzimmer verwandelt. Tagsüber hat er außerdem Schlafzimmerverbot. Denn im Schlafzimmer stehen die Stühle, auf denen seine Geschwister beim Essen sitzen. Dass wir Küchenstühle im Schlafzimmer aufbewahren, hat nicht (nur) mit unserer unordentlichen Haushaltsführung zu tun. Sondern auch damit, dass es sogenannte Treppenstühle sind. Sie haben also ein Fußbrett, das sich gut eignet, um auf das Sitzbrett zu steigen. Und von dort auf den Herd, den Kühlschrank, den Küchentisch… Also dorthin, wo das wirklich interessante Spielzeug liegt. Wenns gut läuft, ist es nur eine offene Müslipackung. Wenn es schlechter läuft, ein scharfes Messer. Um unserem Sohn diese „Spielerfahrungen“ zu ersparen, verstecken wir also die Kletterstühle im Schlafzimmer.

Ein Laufstall wäre einfacher. Oder eine Leine. Aber ich tröste mich damit, dass die Phase irgendwann vorbei ist. Ich atme durch und schaue aus dem Fenster. Im Garten klettert die Große gerade den Pfosten der Wäscheleine hoch.

Nun ja. Ein Studienkollege sagte einmal über seine einjährige Tochter, sie sei wie eine Pflanze. Wohin man sie auch setze, sie bleibe einfach dort. Das ist jetzt ein Jahr her. Inzwischen hat er wahrscheinlich festgestellt, dass es auch Kletterpflanzen gibt.

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