Mein Schwager ist ein ausgezeichneter Koch, aber zu Weihnachten war das Essen nur "so mittel". Das verkündete jedenfalls unserer mittlerer Sohn auf die Frage, wie es denn schmecke, am voll besetzten Familientisch. Nun, wer fragt, kriegt eine Antwort. Der Schwager nahm's mit Humor, und ich dachte mir, dass ich unseren mittleren Sohn überhaupt nicht mittelmäßig finde.

Im Gegenteil. Ich finde es toll, wie er lacht, wie er erzählt, wie er sich stundenlang beschäftigen kann (zum Beispiel mit Zügen, Zügen oder Zügen). Natürlich ist er ein furchtbar armes Kind, das in unserer Familie systematisch benachteiligt wird. Regelrecht eingequetscht wird das Sandwich-Kind von der großen Schwester und dem kleinen Bruder, die viel energischer scheinen im Ringen um Aufmerksamkeit.

Aber nicht immer. Neulich malte unser freundliches, selbstgenügsames Sandwich-Kind den Wohnzimmerfußboden großflächig mit Wachsmalkreide an. Bestimmt ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit. Die bekam er auch: Ich hielt ihm einen Vortrag, in dem ich sein künstlerisches Werk kritisch würdigte. Anschließend durfte er den Boden wischen. Seine Geschwister halfen. Ein Riesenspaß. Bald befand sich im Wohnzimmer ein rot-grauer See, der sich langsam in Richtung Flur ausbreitete. Zum Glück hatte ich keine Zeit, mich darüber zu ärgern, da ich mit Packen für den Urlaub beschäftigt war. Ich tröstete mich mit dem Gedanken an die erwachsenen Sandwich-Kinder, die ich so kenne. Allesamt liebe, unkomplizierte Menschen, die sich manchmal die Butter vom Brot nehmen lassen. Man wünscht sich jedenfalls, es gäbe auf der Welt nur Sandwich-Kinder. Andererseits: Ohne das langweilige Brot außen herum ist ein Sandwich kein Sandwich. Zum Thema Brot sagte mein Bruder, als er noch klein war, einmal zu meiner Schwester und mir: "Ihr seid nur das Brot. Aber ich bin Käse, Schinken, Salat, Mayonnaise, Ei!"

Dennoch gibt es eine sichere Methode, die Sandwich-Situation in der Familie zu beenden. Oder jedenfalls die Rolle des mittleren Kindes auf zwei Personen zu verteilen. Neulich fragte mich mein Mann, ob ich mich schon um das Thema Kinderwunsch gekümmert hätte. Ich erlitt einen Schwächeanfall. Als ich wieder zu mir kam, stellte ich fest, dass es "nur" um einen Artikel ging. Lachen Sie nicht! Ich finde es nicht lustig. Ich finde es höchstens so mittel.

Weitere Blog-Einträge


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN