Saufende Mücken

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Falls Gott es war, der die Erde aus Langeweile mit kunterbuntem Leben ausgestattet hat, dann hat er dabei einen großen Fehler gemacht. Das würde Kind 2 auch einem Pfarrer sagen, am besten dem Papst. Man soll schließlich zu seinen eigenen Fehlern stehen und den Mist wieder geradebiegen, den man verzapft hat. In der kleinen Geste liegt das wirklich Große. Und niemals, wirklich niemals hätte der Schöpfer Mücken in die Welt setzen dürfen, findet das Mädchen. Sie sind so überflüssig wie Zahnstein.

Kind 2 sitzt auf dem Sofa und tut, was es seit einigen Wochen jeden Abend tut. Es zählt Mückenstiche. Vierzehn hat das Mädchen an jedem Bein, als hätten die kleinen Rüsseltiere Spaß an Zahlen. Morgens und abends sitzt Kind 2 so da und macht mit kratzenden Fingern Inventur auf seiner Haut. Es hat überall kleine, juckende Hügelchen. Kind 2 plant bereits die Antwort auf Gottes kleinen Fehltritt: „Gib mir etwas zu trinken, womit ich die Mücken töten kann. Sie sollen tot umfallen, wenn sie mich stechen.“ Speziell dieses Produkt ist noch nicht auf dem Markt. Deshalb balsamiere ich Kind 2 nun regelmäßig mit einer stinkenden Mückenschutzcreme ein. Die summenden Blutsauger suchen sich genau die Stelle, die ich vergessen habe. Den Nacken, das Ohrläppchen, das Augenlid, die Kniebeuge. Wie von Sinnen stechen sie darauf ein. Sie landen lautlos, bohren ihr spitzes Rüsselchen durch die Epidermis und saufen, bis sie abfallen. Niemand braucht Autan, wenn Kind 2 in der Nähe ist. Ein Mädchen, ein verzweifelter Mückenschutz auf zwei Beinen.

Kind 2 schläft mit Fliegenklatsche neben dem Bett. Nachts ist es besonders schlimm. Die Mücken fliegen aus ihren Verstecken, landen auf dem Kind und veranstalten Saufgelage, die jeden Bayern-Fanclub alt aussehen lassen. Manchmal treiben sie es zu bunt und wecken das Kind und werden mit einem kräftigen Hieb erschlagen.

Wissenschaftler haben uns darüber aufgeklärt, dass es ohne Mücken nicht geht. Sie existieren, um von Spinnen, Libellen und Fischen gefressen zu werden. Um sich vermehren zu können, brauchen die Mückenfrauen unser Blut. Nichts schmeckt besser als Blutgruppe 0, finden die Stechmücken. Kind 2 plant, unter diesen Umständen ein paar Tage unterzutauchen. Die Oma wurde in dieses Projekt eingeweiht und hat dem Mädchen bereits ein Bett bei sich bezogen. Kind 1 möchte das unter allen Umständen verhindern. Und das ist der egoistische Gedanke eines jungen Menschen, der nicht gestochen werden will.

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