Unsere Kinder sind lieb. Jedenfalls, wenn sie schlafen. Obwohl – beim Kleinen (5 Monate) ist es umgekehrt. Seit er sich selbst drehen kann, kullert er den ganzen Tag durch die Wohnung und strahlt. Abends und nachts aber beschwert er sich oft, will gestillt oder getröstet werden. Ich könnte dazu die gängigen Kommentare abgeben: "Da kommen bestimmt die Zähne" oder "Es ist nur eine Phase". Stattdessen sage ich: "Es ist mir egal!"

Ist es mir wirklich. Wenn ich eines Tages auf mein Leben zurückblicke, werde ich nicht sagen: "Ich hätte ein schönes Leben gehabt, wenn nur die Kinder von Anfang an durchgeschlafen hätten." Übrigens kenne ich nur wenige Kinder, die das tun – durchschlafen. Ein Wort, das für mich klingt wie durchorganisiert, durchexerzieren, durchkämpfen. Und nicht nach einem erholsamen Schlaf. "Durchschlafen" scheint vor allem jenen wichtig zu sein, die nicht betroffen sind, aber junge Eltern ständig darauf ansprechen. "Jedes Kind kann schlafen lernen" lautet ein bekannter Ratgeber – inklusive "Plan zum Schlafenlernen".

Kinder sind doch keine Computer, die man einfach in den Schlafmodus versetzen kann. Der Druck um das Thema, wie auch die pauschalen Ratschläge dazu, rauben mir den Schlaf.

Nein, das war jetzt gelogen. Ich kann immer schlafen. Wie auch meine beiden Großen (2 und 6). Sie schlafen nicht nur durch, sondern manchmal auch quer. Ich habe ein Foto, auf dem beide im Bett liegen, und zwar genau senkrecht zur allgemein üblichen Schlafrichtung. Wer weiß, ob das erlaubt ist. Und wahrscheinlich widerspricht es auch den gängigen Erziehungsdogmen, dass man seinen Bagger mit ins Bett nimmt.

Jedenfalls steht darüber nichts in Kinderbüchern. Aber es geht darin oft darum, dass jemand nicht einschlafen kann. Offenbar ein weitverbreitetes Problem der Zielgruppe. Oder ist es vielleicht gar kein Problem? Sondern wird nur dazu gemacht? Vielleicht ist es ja normal, dass man seine Zeit zum Runterkommen braucht – und die Unterstützung der Eltern. Nur wir Erwachsenen schleppen ein dermaßen großes Schlafdefizit mit uns herum, dass uns schon beim Einsteigen ins Bett die Augen zufallen.

In solchen Momenten fällt mir dann manchmal auch noch ein Kolumnen-Thema ein. Und bevor ich es vergesse, setze ich mich nachts an den Computer. Obwohl ich eigentlich eine Lerche bin und keine Nachteule. Und wenn dann auch noch der Kleine meckert, geht es mir wie der Band Tocotronic: "Es ist mir egal, aber… So will ich's doch nicht haben!"

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