Schlimm und schlimmer

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Kind 1 hat mit seinen Kumpels in der Schule Meerschweinchen gespielt. Das Spiel geht so, dass man laut fiept und herumläuft. Meerschweinchen können ja nichts anderes, unsere jedenfalls nicht. Sie fiepen sich sehr berechenbar durchs Leben. Kind 1 fiepte auf dem Schulhof so laut, dass es im Lehrerzimmer schallte.

Er hat es mir vorgeführt, sein Geräusch. Klingt wie eine Mischung aus Sirene mit Schluckauf und bremsender Straßenbahn. Nun sei während dieses Meerschweinchenspiels irgendwo in der Schule das Wort Tinnitus gefallen, und Kind 1 hat nun Angst, dass speziell seine Ethiklehrerin da etwas ausbrüten könnte, seinetwegen.

Abends lag er im Bett, heiser vom Fiepen, und konnte nicht schlafen. Er bat mich um einen Kakao aus aufgeschäumter Milch, kippte ein Häufchen Sorgen vor mich und fragte: "Ist das schlimm?" Das Nichtschlafenkönnen, das Fiepen, das alles auf diesem Sorgenhäufchen. Und ob so ein Mensch immer noch Dummheiten macht, wenn er erwachsen ist. Abends tropfen die meisten Fragen aus dem Jungen, so viele, dass vor seinem Bett ein See aus kleinen Fragezeichen anschwillt. Und ich soll die Sonne sein, die diesen See austrocknet, damit mein Sohn einschlafen kann.

Meistens genügt ihm ein Erfahrungsbericht aus meinem Erwachsenenalltag. Deshalb an dieser Stelle meine Erkenntnisse zum Thema Dummheiten, Dinge, die man tut, ohne vorher darüber nachzudenken. Und die ein ungünstiges Ende nehmen. Eigentlich besteht mein Alltag aus einer Aneinanderreihung von Dummheiten aller Art. Jedenfalls, wenn ich meinen Alltag im Zeitraffer danach filtere. Hier die top drei meiner größten Dummheiten der vergangenen Monate:

Nummer 3: Von einer Klippe springen. Das war an einer Steilküste, und man durfte von Felsen ins Meer springen. Leider flog ich so lange durch die Luft, dass ich im Angstreflex die Beine anwinkelte. Nie werde ich das satte Blau meines Gesäßes vergessen.

Nummer 2: Eine Fleecejacke bügeln. Die Jacke gehörte Kind 2 und hatte ein Loch im Ärmel. Das sah hässlich aus, und ich wollte es mit einem dieser Bügelbilder kaschieren, mit denen man Löcher zuklebt. Ich schob beherzt das heiße Bügeleisen über den Ärmel und löste einen Zersetzungsprozess aus, der mich daran erinnerte, dass Fleece aus aufgeschäumtem Plastik besteht.

Nummer 1: Tischtennis spielen und dabei das Handy als Schläger benutzen.

Nach meinem Vortrag lächelte sich Kind 1 in den Schlaf.

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