Die schönste Metapher von allen: im weichen Gras schlafen. Dabei liegt der Teilnehmer seitlich auf der Wiese und drückt das untere Ohr auf den Rasen. Es geht um Gemütlichkeit und so.

Dieses hübsche kleine Sprachbildchen gibt es noch nicht lange. Kind 1 hat es in der Schule erfunden. Wahrscheinlich ist sein Religionslehrer daraufhin die Wände hochgelaufen und fast explodiert. Der Mann wäre zufrieden gewesen, hätte der Junge die gängigen Metaphern benutzt. Er hatte den Kindern ein Blatt mit vielen kleinen Zeichnungen gegeben. Auf jeder dieser Zeichnungen machte die Hauptfigur, also das Strichmännchen, etwas anderes. Einmal lag es auf der Wiese. „Das Gras wachsen hören.“ Solche Sachen sollten die Kinder unter die Bilder schreiben, abgedroschene Sprachbilder. Keine Ahnung, wie das in den Religionslehrplan reingerutscht ist. Jedenfalls hatte Kind 1 keinen Schimmer, hustete Fragezeichen und erfand neue Metaphern.

Zu Hause faltete er aus dem Blatt einen Papierflieger. Er ließ ihn durchs Wohnzimmer segeln. Der Zwergdackel fing den Flieger und fraß ihn auf. Kurz danach ging ich zum Elternsprechtag. Religion. Kind 1 wirke ausgeglichen und verhalte sich unauffällig. Ja, man rede über Sprachbilder. Das sei wichtig, um die Bibel zu verstehen. Nein, Kind 1 müsse sich nicht fürchten, nur weil der Zwergdackel sein Metapher-Arbeitsblatt gefressen hat. In der Religionsstunde gehe es auch um Vergebung und Versöhnung.

Elterngespräch bei der Deutschlehrerin. Kind 1 sei ein angenehmer Schüler mit einer lauten Stimme. Manchmal vergesse Kind 1, sich zu melden, wenn es etwas zum Unterricht beizutragen habe, und benutze seine laute Stimme unaufgefordert. Und ja, das ist der Grund für die vielen Hausaufgaben in letzter Zeit.

Nächstes Gespräch: Mathe. Kind 1 habe eine laute Stimme und sei aus der Gruppe gut herauszuhören. Außerdem sei es kreativ. Neulich habe die Mathelehrerin der Klasse mitgeteilt, dass die Sportstunde ausfalle. Der Lehrer sei krank. Daraufhin habe die Klasse gefragt, wie lange er denn krank sei. Sie wisse das nicht, habe die Mathelehrerin geantwortet, immerhin sei sie nicht die Ärztin des Sportlehrers. Kind 1 habe daraufhin seine laute Stimme benutzt, sie drei Oktaven tiefer gestellt und gesagt: „Ich bin der Hausarzt dieses Sportlehrers. Krankenschein bis Ende nächster Woche!“

Ich fuhr nach Hause. Schade, dass Winter ist. Ich würde gerne eine Runde im weichen Gras schlafen. Wegen der Gemütlichkeit und so.

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