Seit meinem ersten Hilfseinsatz in Namibia 2009 erfahre ich, dass das Schulessen für die Kinder kostenfrei ist und deklamiert als 'unverkäuflich' geliefert wird. So manches Mal bekam ich den leeren Speicher vorgeführt mit den Worten: "Speziell unseren Waisenkindern geht es nicht gut. Vor Hunger fühlen sie sich krank und versäumen die Schule." Ein weiteres Mal zeigt man mir den vollen Speicher mit dem Hinweis "wir haben kein Wasser". Der Direktor schaffte es monatelang nicht, die Wasserpumpe reparieren zu lassen. Seit diesem Schuljahr 2014 ist die Richtlinie geändert worden. Die Schule muss ein Formular für das benötigte Maismehl ausfüllen, welches vom Bildungsministerium nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden konnte. Die Kayengona Schule rechnete noch bis vor einer Woche damit, dass sie das benötigte Maismehl mit Verspätung geliefert bekommt. Nun ist auch ihnen gewiss, dass sie erst im April, also im 2. Drittel des Schuljahres freies Schulessen haben werden. Dank der Sponsoren für das Mayana Mpora Projekt bekommen die Schüler wenigstens zeitweise ihren Mielipap (Maisbrei).

In Namibia besteht Schulpflicht von der 1. bis zur 7. Klasse. Seit 2013 ist der Schulbesuch bis zur 7. Klasse frei, ebenso sollen Schulmaterial und Schulbücher frei zur Verfügung stehen. Der verspätete abgesandte Antrag für das benötigte Material in 2013 wurde in der Mayana Grundschule erst zu Schuljahresbeginn 2014 wirksam. Allerdings fehlt es wohl noch an der Arbeitskraft, die für die Verteilung an der Schule zuständig ist. Ich glaube nicht an das Versprechen, dass ab dieser Woche alles vorhanden sein wird und werde deshalb etwa 300 Bleistifte und 100 Kugelschreiber an die Kinder der Klassen 1 bis 4 austeilen.

In Afrika ticken die Uhren anders. Die Kinder sollen zur Pünktlichkeit erzogen werden. Sie haben sehr weite Schulwege zurückzulegen. 7:15 Uhr beginnt der Unterricht. Morgens vor 6 Uhr kommen nahe der n'Kwazi Lodge Schüler aus Angola mit Mokoros über den Fluss, sie haben noch eine Stunde Fußweg zur Mayana Schule vor sich. Unsere Touristen sind entsetzt, wenn sie diese Kinder gegen 5 Uhr auf ihrem Heimweg antreffen und erfahren, dass sie in Angola wohnen, und es dort im Umkreis von 50 km keine Schulen gibt. Zur Kayengona Schule beträgt der weiteste Weg mit einer Abkürzung durch den gefährlichen Busch 8 km. In der Nacht zum letzten Freitag hatten wir bis Unterrichtsbeginn starke Gewitter. Viele Kinder wurden an diesem Tag von der Schule abgewiesen, da sie verspätet ankamen - keine Möglichkeit für die Kinder zum Unterstellen geschweige denn zum Trocknen der durchnässten Kleidung. Ich habe davon nur erfahren, da die Kinder aus der Kayengona Schule an unserem Kinderfest am Samstag fehlten. Die zuständige Lehrerin wollte die Schüler erst am Freitag informieren. Es seien nur sehr wenige Kinder in der Schule gewesen.

Durch Kinder und aus der Zeitung erfahre ich öfters, dass die Lehrer nach eigener Entscheidung zur Schule kommen, oft verspätet oder gar nicht. Der verstorbene Bildungsminister Abraham Iyambo wollte sich 2012 an einer Schule als verkleideter Bauarbeiter selbst ein Bild machen. Der Bericht darüber in der Namibischen Allgemeinen Zeitung führte zur Entrüstung der angegriffenen Schule. Atteste und angeblicher Urlaub wurden vom Direktorat nachträglich nachgewiesen.

Im Oktober 2013 erhielt ich 37 von 90 bestellten Büchern für die Schüler der 10. Klasse zur Prüfungsvorbereitung. NAMCOL Windhoek bedauert, diese Bücher nun erst im April liefern zu können, mit dem Versprechen, dann genügend Exemplare zur Verfügung zu haben - (Plan-, Miss- oder Marktwirtschaft gepaart mit Arroganz oder Nichtkönnen oder -wollen?). Ich hoffe nur, dass die Sponsoren mich trotz allem weiter unterstützen werden. Die ersten Prüfungen werden leider schon im März geschrieben.

Reichlich 50% der Schüler haben 2013 die Prüfung zur Hochschulreife bestanden. Der Weg ist noch sehr steinig, die Schüler sind motiviert. Die Kleinen sind sehr eingeschüchtert, sehr ängstlich. Der neue Bildungsminister gibt sein Bestes. Er benötigt einen gut motivierten Mitarbeiterstab.

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