Senior-League

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Ich befinde mich mit meiner Familie in einer Zeitschleife. Jeden Morgen, wenn der Wecker klingelt, frage ich mich: Sind wir jetzt in Quarantäne oder nur im „normalen“ Lockdown? Oder sind es einfach Ferien mit Arbeit und Schulaufgaben? Und täglich lacht das Murmeltier über uns. Wenigstens hat es den Humor nicht verloren.

Man soll ja auch nicht immer den Tieren die Schuld geben. Wir befinden uns schließlich deshalb in dieser Endlosschleife, weil Politiker und manche Mitbürger finden, dass wir mit der Pandemie leben müssen. Deshalb hat sich unsere Familie bis vor Kurzem nicht ganz freiwillig an einem Experiment beteiligt. Die Forschungsfrage: Wie lange kann man Schulen und Kindergärten geöffnet lassen, bis ganz Sachsen in Quarantäne ist? Nun wurde das Experiment abgebrochen, und wir leben wieder mal im Doppelhomeofficeschulkindergarten. Wir verlassen ihn nur gelegentlich, um Waren des täglichen Bedarfs einzukaufen, im Wald umherzuwandern oder das "Testhotel" zu besuchen. Wortschöpfung meiner Tochter – klingt ja auch viel besser als Testzentrum.

Nun sagte die Lehrerin, es sei wichtig, dass die Kinder aufgefangen werden. Ich habe es versucht! Aber ich schaffe es wirklich nicht, meine Tochter zu fangen. Sie ist einfach zu schnell (Und nein, es kann nicht daran liegen, dass ich zu langsam bin. Oder dass manchmal ein Zweijähriger an meinem Bein hängt). Nach einer zu eng gezogenen Kurve endete der heimische Sportunterricht für mich im Matsch. Beim Gartenfußball "drei gegen eine" versage ich ebenfalls regelmäßig. Vielleicht gründe ich eine eigene Liga, in der nur lahme Eltern spielen. Ich nenne sie die "Senior League".

Etwas besser sind meine Chancen beim Versteckspiel. Meistens finde ich bis zum Abend alle meine Kinder wieder. Der Mittlere geht manchmal auch schon früher in die Wohnung, um außer Reichweite seines kleinen Bruders zu spielen. Zwischendurch schaut er vom Balkon herunter. "Hast du oben deine Ruhe?", frage ich. "Nein, der Papa ist oben", antwortet der Junge. "Und stört dich der Papa?" "Nein, der sitzt im Arbeitszimmer und arbeitet." So hat alles seine Ordnung. Wenn der Mittlere groß ist, möchte er bei der russischen Spezialpolizei arbeiten. Nicht gerade das, was ich mir für seine Zukunft erträumt hatte. Vielleicht ist es besser, wir bleiben für immer zu Hause.

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