"Hallo?", fragte eine dunkel gefärbte Männerstimme, nachdem ich den Hörer abgenommen, die Firma, meinen Namen und meine Funktion genannt hatte; also wiederholte ich die Informationen und ergänzte sie um meine Frage: "Was kann ich für Sie tun?" Folgende Feststellungen hörte ich dann. Erstens: "Ich rufe bewusst mit einer unterdrückten Nummern an." Zweitens: "Ich werde Ihnen meinen Namen nicht sagen." Drittens: "Sie dürfen dieses Gespräch nicht aufzeichnen." Viertens: "Sollte trotzdem mich jemand danach fragen, werde ich leugnen, jemals mit Ihnen gesprochen zu haben." An dieser Stelle reagierte ich wie immer, wenn ich den Impuls unterdrücken muss, das Gespräch mit diesen Worten zu beenden: "Na gut, dann eben nicht, einen schönen Tag noch." (Zur Erklärung: Dies verkneife ich mir, weil es durchaus vorstellbar ist, dass mal jemand in der Leitung ist, der aufsehenerregende Informationen für mich hat, aber sich seiner Ansicht nach in Gefahr bringt, wenn herauskommt, dass er die Quelle ist; vorgekommen ist das aber in den vergangenen acht Jahren noch nicht.) Umso gespannter war ich auf das, was ich zu hören bekommen sollte. Diese Sätze waren es:

 

"Bevor er mich überhaupt empfangen hat, musste ich Geld auf den Tisch legen, ohne dass ich dafür eine Quittung bekommen habe."

"Mal hat die Behandlung gewirkt, mal überhaupt nicht, insgesamt waren es mehr als 1000 Euro, die ich bezahlt habe."

"Wenn ich meiner Hausärztin erzählen würde, dass ich bei ihm war, würde sie mich vermutlich nicht mehr behandeln wollen."

 

Weil ich nichts darauf erwidert, also keine Wertung seiner Informationen vorgenommen habe, fühlte der Mann in Leitung sich dazu berechtigt, (endlich) den Grund seines Anrufs zu nennen: "Das ist alles andere als seriös, und weil er in Ihrer Zeitung für sich wirbt, sollten sie die Leute darüber aufklären, was auf sie zukommt, wenn sie sich bei ihm behandeln lassen wollen."

Ich habe mich für den Hinweis bedankt und ihm gesagt, dass ich seine Einschätzung an die für dieses Thema zuständigen Fachkollegen weiterleiten werde. Das reichte dem Anrufer, er hat sich freundlich bedankt und verabschiedet. Anschließend habe ich ein bisschen im Netz recherchiert. Meine Erkenntnis war keine neue, denn ich weiß schon lange: Heilpraktiker dürfen im Gegensatz zu niedergelassenen Ärzten bei Beachtung einiger Regeln für sich und ihre Behandlungsmethoden werben. Warum dieser Unterschied gemacht wird, hat sich mir noch nicht erschlossen. Allerdings glaube ich, dass man davon ausgehen sollte, dass die Menschen mündig und kritisch genug sind, selbst zu entscheiden, in welche Hände sie sich (nicht nur buchstäblich) begeben. In diesem und ähnlichen Fällen sollte man den Verdacht gar nicht erst aufkommen lassen, sie bevormunden zu wollen. 

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