So ein Quatsch und zu viel Müll

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Zunächst zitiere ich mal zwei Leser wörtlich, der erste meinte: "So ein Quatsch, man sollte die Kirche im Dorf lassen." Der zweite hatte eine Frage: "Sagen Sie mir mal, wer hat das eigentlich festgelegt, dass das heute verpönt ist?" Damit möchte ich es auch bei diesem Thema bewenden lassen, denn das Niveau der Meinungen von Anrufern zu der Debatte, die von einem Lebensmittelhersteller ausgelöst worden war, nachdem er angekündigt hatte, seine "Zigeunersauce" umbenennen zu wollen, war genau von dieser Qualität, während ich in mehreren Gesprächen außerdem darüber aufgeklärt worden bin, dass man sich nicht den Mund verbieten lasse und weiterhin "Negerkuss" sagen werde. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang wäre noch, dass ich außerdem von einem Leser darüber informiert worden bin, dass er während der Gassirunde mit seinem Hund am Waldrand zwei dort abgelagerte Sessel und die Reste einer Arbeitsplatte gefunden habe, was er als einen Skandal ansieht, über den meine Kollegen in der Redaktion doch bitte unbedingt berichten mögen, weil so etwas schließlich bestraft werden müsse, während ich das Ende dieses Gesprächs mit einer Frage eingeleitet habe, von der ich nicht wusste, dass es die falsche ist: "Haben Sie auch die zuständigen Behörden über diese wild Müllentsorgung informiert?" Etwas irritiert war ich dann aber, als nur wenige Minuten später ein anderer Mann in der Leitung sich bei mir beschwert hat, dass meine Kollegen in einer Lokalredaktion in Westsachsen zu dem Bericht "Kinderwagen und Sofa landen in Pleiße" kein Foto veröffentlicht hatten, denn seiner Ansicht nach wäre das zwingend erforderlich gewesen, um die Menschen endlich mal wachzurütteln angesichts dieser Umweltfrevler, auf "die man doch mit Finger zeigen muss". Mit einer 8,4 auf der nach oben offenen Skala für die Bewertung des emotionalen Engagements, mit dem die Leute in der Leitung mir ihren Ärger mitteilen und sich auf diesem Weg mal Luft verschaffen wollen, habe ich außerdem heute noch einen echten Spitzenwert erleben dürfen, während eine Frau mit erklärte, was sie davon hält, dass bei einem Champions-League-Finale offenbar andere Bestimmungen bei der Einhaltung von Hygieneregeln herrschen als bei der Einschulungsfeier ihrer sechsjährigen Tochter. Abschließend würde ich gern mal wieder ein Quiz veranstalten, aber weil ich nichts habe, was ich als Gewinn anbieten kann, stelle ich die Preisfrage mit dem Wissen, dass ich die Antwort sofort nachreichen werde. Also, ein Leser hat mir heute diesen Satz zitiert: "Es schickt sich nicht, ein Fremdwort für das zu gebrauchen, was deutsch gut ausgedrückt werden kann." Nun möchte ich gern wissen: Aus welchem offensichtlichen Standardwerk der deutschen Sprache hat dieser selbsternannte Gegner von zu vielen Fremdwörtern und Anglizismen in der Zeitung mir diese Empfehlung vorgelesen? Keine Ahnung? Hier die Antwort: Es handelt sich um den 1892 in Leipzig erschienenen "Heitmanns Schülerkalender". Nie davon gehört? Ich auch nicht.

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