Ich sitze mit Evelyn am Okavango-Ufer und bringe ihr das Stricken bei. Evelyn hat in den letzten Wochen die Abschlussprüfungen für die 10. Klasse abgelegt und hofft nun, daß sie das Examen bestanden hat. Die Arbeiten werden in Windhoek korrigiert. Am 22.12. erfahren die Schüler ihre Resultate, ob sie bestanden haben. Sie müssen in 6 Fächern von möglichen 42 Punkten mindestens 23 Punkte erreichen.

Samstag erhielt ich eine SMS von meiner Schwester Ursula: ?Ich bin in Chemnitz zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes mit der traditionellen großen Bergparade.?
Ich habe doch wirklich völlig vergessen, daß die Adventszeit beginnt. Das Leben zu Hause ist weit weg. Den einzigen Hinweis auf das nahende Weihnachtfest erhielt ich Freitag beim Einkauf der Schulkleidung und später in der Kirche. Zwei Verkäuferinnen verzierten relativ dezent ihr Schaufenster mit weihnachtlichen Motiven. In der Kirche probten Kinder und Jugendliche Gospelsongs. Sie benötigen keinen Dirigenten. Ein Schüler gibt den Ton an und es kann losgehen. Steve aus Bochum war total erstaunt. In Deutschland bezahlen wir für die Gospelauftritte viel Geld, hier bekommen wir es original vorgetragen und voller Inbrunst.
Gerichtet an die Kinder und Jugendlichen spricht Mike uns aus der Seele, behaltet Eure Natürlichkeit und hört niemals auf zu singen. Vergeßt Eure schönen Gospelsongs nicht!

Mit der Advents-SMS meiner Schwester bin ich etwas nachdenklich geworden. Ich habe kein Problem, fern der Heimat zu sein. Aber ich habe etwas Sehnsucht nach Euch in der so hektischen Adventszeit. Was macht meine kleine Iris? Sie ist erst 12 Wochen alt. Am Abend, wenn ich den Sonnenuntergang genieße, habt ihr Eure Schwibbögen in den Fenstern angezündet. Es wird mich erschlagen, wenn ich in reichlich 14 Tagen nach Hause komme.

Lieber Fedor, kannst Du mir bitte verzeihen? Ich wollte Dir rechtzeitig zu Deinem 60. Geburtstag eine Glückwunsch-SMS senden. Ich lebe jedoch zur Zeit vollkommen ohne Kalender. Deshalb nachträglich alles Gute.

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