Ende der Siebziger Jahre gab es im Fernsehen eine Vorabendserie mit dem Titel "Der Mann für alle Fälle". Harald Juhnke spielte darin einen tollen Kerl, den man alles fragen und mit den schwierigsten Aufgaben betrauen konnte, weil man wusste, dass er für alles eine Lösung hatte und nie aufgab, bevor die Sache aus der Welt geschaffen war, unter der seine Auftraggeber zu leiden hatten. Nun gestehe ich, dass ich oft davon träume, ein solcher "Mann für alle Fälle" sein zu können, weil es nicht gerade selten ist, dass Leser mich um etwas bitten, was ich ihnen definitiv und nicht mal ansatzweise erfüllen kann, das mich immer mit einem wenig angenehmen Gefühl zurücklässt, weil es nur ein schwacher Trost für mich ist, das Anliegen der Leute an möglicherweise kompetentere Personen weiterleiten zu können. Dreimal habe ich das heute erlebt:

Episode 1: Der Mann will sein Wohngrundstück verkaufen und hat die Grundbucheintragung vor sich, darin steht, ich zitiere wörtlich: "... auf Benutzung des aus der in den Akten befindlichen Skizze ersichtlichen Weg als Zugangs- und Zufahrtsweg sowie auf Benutzung des aus derselben Skizze ersichtlichen Hofraum ..." Sein Frage an mich: "Was bedeutet in diesem Fall das aus der in den Akten befindlichen Skizze? Sind damit nur die Akten des Besitzers gemeint? Oder alle Akten, die einen Bezug zu dieser Skizze haben?" Gedacht habe ich an böhmische Dörfer, dem Leser mitgeteilt habe ich: "Es tut mir wirklich ganz außerordentlich leid, aber ..."

Episode 2: Die Frau in der Leitung hatte heute den Artikel "Plätze in Sachsens Pflegeheimen sind bundesweit am günstigsten" gelesen und kurzerhand bei der Zeitung angerufen, weil sie sich fürchterlich aufgeregt hat und nun irgendwohin musst mit ihrem Ärger. Ihr Problem: "Seit 15 Jahren pflege ich meine Schwiegermutter, das ist eine Aufgabe für rund um die Uhr, und ich könnte jedes Mal platzen, wenn ich wieder etwas über die Kosten in Pflegheimen oder die Bezahlung von Pflegekräften lese, aber nie etwas von den Sorgen und Nöten der pflegenden Angehörigen", sagte sie und fügte hinzu: "Da muss sich nämlich dringend etwas ändern, so kann das nicht weitergehen." Tolles Thema, habe ich gedacht und gesagt: "Schreiben Sie ganz einfach auf, was sie mir gerade erzählt haben, dann kann ich es als Leserbrief veröffentlichen." Ein paar Sekunden lang schwieg die Frau, bevor sie meinte: "Nein, geht nicht, keine Zeit, Sie sollen etwas unternehmen, damit sich etwas ändert, darum habe ich angerufen."

Episode 3: Dieser Leser hatte im Fernsehen einen US-amerikanischen Spielfilm gesehen und damit ein Problem, er meinte: "Es spottet jeder Beschreibung, was dem Zuschauer da zugemutet wird. Die Handlung ist durchaus dazu angetan, Nachahmungen hervorzurufen - ist scheint doch so einfach zu sein, einen Menschen umzubringen oder eine Bank auszurauben, entspricht so etwas dem Bildungsauftrag des Fernsehens oder den guten Sitten"? fragte er mich. Kritik an Sendungen im Fernsehen und Radio kommt gar nicht einmal so selten bei mir an, und immer stelle ich die gleiche Frage, auch diesmal: "Das verstehe ich, ich kann Ihre Meinung nachvollziehen, aber was kann ich jetzt konkret für Sie tun?" An dieser Stelle füge ich immer den Hinweis hinzu, dass die Leute keinen Leserbrief schreiben können über ein Thema, das in der Zeitung gar nicht behandelt worden ist. Ein Mann für alle Fälle hätte dem Leser vielleicht helfen können, denn dies war seine Bitte: "Den Leuten mal die Leviten lesen und ins Gewissen schreiben, dass sie uns Fernsehzuschauer nicht für dumm verkaufen sollen." Auf fruchtbaren Boden ist meine Gegenfrage nicht gefallen: "Und wenn Sie selbst mal beim Sender anrufen?"

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