Spielend lernen

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Schule macht Spaß. Vor allem, wenn sie fast vorbei ist. Am vorletzten Schultag vor den Herbstferien sitzt die Große (8) am Nachmittag da und schreibt ihr Heft voll. Freiwillig. Auf mein überraschtes „Was machst du denn da?“ antwortet sie, sie wolle die Schreibschrift-Übungen unbedingt noch vor den Ferien fertig haben.

Kurz frage ich mich, was wir falsch gemacht haben in der Erziehung. Aber ich sage nichts. Offensichtlich macht das Lernen Spaß. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und doch kenne ich allzu viele Kinder, denen das staatliche Schulsystem die Freude am Lernen systematisch ausgetrieben hat.

Das Besondere am Hausaufgaben-Fleiß meiner Tochter ist aber, dass sie eigentlich gar keine Hausaufgaben kennt. Sie ist Ganztagsschülerin, und da bleibt die Arbeit in der Schule. Für dieses Modell kann man viele gute pädagogische Begründungen finden. Die Wahrheit ist aber: Ich habe einfach keine Lust, mich am Nachmittag in der ohnehin begrenzten Familienzeit mit Schulaufgaben zu beschäftigen. Der Müllkutscher und die Kieferchirurgin bringen schließlich auch keine Arbeit mit nach Hause. Die Journalistin tut es manchmal schon. Schwierig wird es dann, wenn die Kinder „mithelfen“ wollen. Da kann man sich nur wundern, dass so selten weiße Flecken oder grüngepunktete Einhörner in der Zeitung zu finden sind.

Jedenfalls, die Schule – obwohl wir sie normalerweise dort lassen, wo sie hingehört, und sie nicht mit nach Hause nehmen, spielt sie bei uns doch eine zunehmend große Rolle. „Wann gehe ich endlich mit Akob in die Schule?“ fragt der Dreijährige. „Akob“ ist sein Kindergartenfreund und heißt eigentlich anders. Der richtige Name ist der Redaktion bekannt. Der Mittlere ist nächstes Jahr fällig. Und ich habe den Verdacht, dass ihm das erste Kennenlern-Treffen in der Schule gefallen hat. Aber das würde er niemals zugeben. Auf die nervige Eltern-Frage, wie es denn so war, bekam ich nur ein freches Grinsen: „Sag ich dir nicht!“ Wahrscheinlich muss ich bis zum Abschlusszeugnis warten, bis ich mal eine Information über seinen schulischen Werdegang bekomme. Bislang sieht sich der Fünfjährige noch nicht so richtig als Schulkind: „Ich will nichts lernen, ich will immer nur spielen“, sagte er vor kurzem. Da fiel mir ein Spruch ein. Er hing auf einem Spielplatz aus und ist klüger als alles, was ich jemals in der Schule gelernt habe. Auf Augenhöhe der Eltern war zu lesen: „Pssst! Lernende Kinder bitte nicht beim Spielen stören!“

Weitere Blog-Einträge