Das Müsli ist aufgegessen. „So, jetzt Zähne putzen!“ sagt mein Mann. „Nein!!!“ ruft der Mittlere (2). „Ich will nicht Zähne putzen!!!“ Jeden Morgen scheint ihn die Ansage zu überraschen. Und jeden Morgen bildet er sich ein, er käme ungeputzt davon. Die Lösung: Stecken spielen. So nannte es die Große (6) früher. Der Junge darf sich also kurz verstecken, wird vom Papa gefunden, und schon ist er wieder glücklich und hat seine Zahnputzrebellion vergessen.

Wenn sich nur alle Konflikte auf der Welt so einfach lösen ließen. Dann wäre ich bestimmt internationale Versteckbeauftragte mit Sitz in der Uno. Aber wenigstens in der Familie funktioniert es. Hier die Versteck-Hitliste der vergangenen Jahre: Hinter dem Duschvorhang, unter dem Wäscheständer, unter der Rutsche vom Hochbett, in Papas Pullover, während er ihn anhat.

Es muss aber gar nicht so raffiniert sein. Man kann sich auch hinter einer Glastür verstecken, auf dem Sofa oder vor einem Baum. Beliebt ist außerdem das Spiel „Du versteckst dich dort, wo ich dir sage, und ich suche dich!“ „Stecken spielen“ mit kleinen Kindern ist kein Wettbewerb. Sondern es geht ums Gefundenwerden, um die Erkenntnis, dass der andere noch da ist, und die witzige Situation. Raffiniert sind bei uns eher die Dinge. Sie verstecken sich, wo man sie niemals vermuten würde. Man stelle sich vor, manchmal versteckt sich der Filzstift in der Stifte-Schublade, der Schuh im Schuhregal und das Malbuch mitten auf dem Schreibtisch! Da gilt natürlich, was der Volksmund schon lange weiß: Wer suchet, der… fragt Mama.

Ich bin aber nicht nur gut im Finden, sondern ich kann auch Dinge vor mir selbst verstecken. Neulich nahm unsere Tochter aus Versehen das Elsa-Armband ihrer Freundin mit in den Urlaub. Ein Armband mit Disneys Eiskönigin drauf – das ist für kleine Mädchen, in Erwachsenenwährung umgerechnet, circa 300 Billionen Euro wert. Folglich hütete ich es wie meinen Augapfel. Doch dann war es verschwunden. Erst viel später fand sich das Armband in einer Innentasche meiner Handtasche. Wahrscheinlich hat es der Pirat dorthin gesteckt. Wir haben nämlich einen Hauspiraten. Jedes Jahr taucht er zufälligerweise bei uns auf, wenn unsere Große Kindergeburtstag feiert. Zufälligerweise versteckt er dann eine Schatzkiste. Den Piraten hat noch nie jemand gesehen. Wir sollten mal mit ihm stecken spielen. Dann wüssten wir sofort, wo er ist.

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