Stift- und Warentest

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Es ging um Bockwürste. Gibt so Tage, da isst man Bockwürste und verschlingt in Wahrheit neue brisante Details vom Baum der Erkenntnis. Der Abend kam, der Hunger auch. Kind 1 erinnerte sich an sein Mittagessen. Sein Vater hatte ihm Bockwürste aus dem Glas serviert und erklärt, dass Kind 1 nun besonders großes Glück habe. Diese hellbraunen Würstchen gehörten in der Kategorie Bockwürste zu denen, die sehr gut seien, die besten. Das beruhigte den Sohn. Von mir bekommt er üble Geschichten über Bockwürste erzählt. Ich mag es nicht, dass er so auf die Dinger steht. Ich sähe es lieber, er äße Möhren und tunkte sie in Kräuterquark.

An diesem Abend fragte Kind 1: „Woher weiß man, dass etwas besonders gut ist?“ Ich überlegte eine Weile. Woher weiß man das? Entscheidet nicht jeder selbst, was für ihn sehr gut ist und was mangelhaft? Man kann Currywurst aus der Plastikbox essen, ein ganzes Alphabet an Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen, am Ende die Soße auslecken und sagen: Yes!

Ich erzählte meinem Sohn von der Stiftung Warentest. Die testet alles Mögliche, sagte ich. Auf Youtube suchte ich „Bernd“ von Rainald Grebe und spielte Kind 1 das Liedchen vor. Besser kann man die Stiftung Warentest nicht erklären als der Rainald mit seinem Bernd-Lied. Meine Meinung. Er erzählt von Bernd, der Abteilungsleiter ist bei der Stiftung Warentest und sagt, dass die ganze Welt sich testen lässt.

„Ach sooo“, rief Kind 1.

„Was: Ach sooo?“ fragte ich.

„Ich dachte, das heißt Stift- und Warentest“, sagte Kind 1.

Warum nicht? Es klingt gut, viel besser als Stiftung Warentest. Bestimmt braucht man einen Stift, um Waren zu testen. Ganz sicher braucht man den. Im Leben von Kind 1 existierte bisher der Stift- und Warentest. Klar kannte er den, mein Sohn. Er stellte ihn nie in Frage.

Er sagte, er müsse noch für eine LK in Musik lernen. Notenlehre. Er war nicht da, weil er Corona hatte. Ob ich ihm helfen könne. Dann zeigte er mir ein Notenblatt. Optisch sah es aus wie Samba mit tanzenden Notenkringeln. Aber es waren nur ein paar Dur-Tonleitern. „Ich verstehe nicht, was die Hashtags sollen“, sagte Kind 1. „Das sind Kreuze, die gehören zur Notenschrift“, sagte ich. „Ach soo“, sagte Kind 1. Dann aßen wir zusammen Bockwürste.

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