Dass es manchmal zwischen zehn und zwölf zu Situationen kommt, bei denen ich nicht weiß, ob ich lachen oder doch lieber weinen sollte, habe ich an dieser Stelle schon mehr als einmal beschreiben dürfen, weshalb ich bei den heutigen Randnotizen aus den Protokollen der Diskussionen mit Lesern zum Wochenausklang gar nicht ausdrücklich darauf hinweisen möchte, dass es wieder einmal so war und ich mich dann letztendlich entschieden habe, im Zweifelsfall einfach zur Schokolade zu greifen, die hilft immer und gegen alles.

Episode 1: Die Ereignisse, die zu der Regierungskrise in Thüringen geführt hatten, haben einen Leser an die Zustände und Verhaltensweisen in einem Kindergarten erinnert, wo es wohl üblich ist, der eine mit dem anderen oder der andere mit jenem nicht so gut kann und es deshalb häufiger mal zu einem Streit kommt. Allerding hat er, wenn das das Niveau bis in höchste Regierungskreise sein soll, eine ganz einfache Lösung für das Problem, er meinte: "Womöglich sollte man doch dann vielleicht wieder zur Monarchie zurückkehren, denn einen geschickten Handwerker, der eine Krone für den König oder die Königin anfertigen würde, ließe sich doch ganz bestimmt finden."

Episode 2: Um das politischer Theater als Konsequenz der Wahl eines FDP-Politikers zum thüringischen Ministerpräsidenten mit den Stimmen der AfD geht es auch dem Autor des "Gedichts der Woche", das es als eine solche Rubrik nur noch im Blog des Leserobmanns der "Freien Presse" gibt:

 

Des Volkes Wille stört


Demokratie wird heute oft verraten,

von scheinbar überzeugten Demokraten.

Der Bürger wird nicht mehr erhört,

Gemeinsinn gilt kaum was - er stört.

Dem Volk zu dienen ist vergessen,

Parteien sind vom Machtanspruch besessen.

Verunglimpfung und Abgrenzung sind vorgeschrieben,

von Pflichtgefühl, Verantwortung ist nur Erinnerung geblieben.

Bei solchem drastischen Versagen

kann man nur wieder armes Deutschland sagen.

Joachim L.

 

Episode 3: Bei diesem Hinweis befinde ich mich in einer Zwickmühle. Zum einen möchte ich nicht unerwähnt lassen (die doppelte Negation ist Absicht und dient der Betonung), dass dieser Leser zum zehnten Mal angerufen hat, weil er wieder einmal von einem "Super-Gau" in der Zeitung gelesen hat, was ihn immer wieder erneut ärgert, weil der "Größte Anzunehmende Unfall" (GAU) entweder tatsächlich der größte anzunehmende Unfall sein könnte, was bedeutet, dass es einen noch größeren im Sinne von "super" nicht geben kann, oder es ist eben doch nur ein ziemlich vorstellbarer Unfall, der noch schlimmer im Sinne von "super" sein könnte, für den es aber leider eben keine Abkürzung gibt. Mein Dilemma ist aber, dass den Artikel, in dem der Mann in der Leitung den "Super-Gau" wieder einmal entdeckt hatte, nicht nennen kann, weil es sich bei dem Autoren über eine mir übergeordnete Autorität handelt, deren mögliche Reaktion auf diesen Blogeintrag ich mir lieber ersparen möchte. Also zitiere ich nur den Satz in der Hoffnung, dass es mein mir vorgesetzter Kollege nicht mitbekommt: "Diese 24 Stunden von der Wahl bis zum angekündigten Rücktritt Thomas Kemmerichs als Ministerpräsident aus den Reihen einer Fünf-Prozent-Partei sind ein Glaubwürdigkeits-Super-GAU."

Episode 4: Schlagen Leser einen ausdrücklich süffisanten Unterton an bei dem, was sie mit zu einem Bericht in der Zeitung mitzuteilen haben, bin ich für gewöhnlich gnädig und lasse ohne weitere Bemerkungen zu, dass sie sich mitunter auch über die Zeitung im Allgemeinen und meine Kollegen im Besonderen etwas lustig machen wollen. Bei diesem Leser, der sich bei mir gemeldet hat, nachdem er auf der Seite "Mobilität & Technik" den Artikel mit der Überschrift "Die Luxusjachten der Autobauer" gelesen hatte, ist mir das allerdings etwas schwer gefallen. Zunächst teilte er mir dies mit: "Wer Sorgen hat, mal ein paar Milliönchen unterzubringen und solche Jachten mal so aus Jux kauft, der darf dann natürlich auch die Umwelt verdrecken, mal mit 960 PS, mal mit 2700 PS, macht bestimmt keinen Schaden oder doch?" Mir war sofort klar, was er mit seiner Äußerung bewirken wollte, also durfte er den Finger in die Wunde legen: "Wir anderen werden das gemeinsam mit unseren Fridays-for-Future-Kindern schon wieder korrigieren. Oder was meinen Sie?" Diskutieren wollte ich nicht, weshalb des Leser leider damit leben musste, nur seine Kritik an den Leserobmann gebracht zu haben, doch gedacht habe ich so für mich: "Irgendwo sollte der Spaß auch seine Grenzen haben, doch bin ich immer noch dabei, diese für mich auszuloten.

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