Seit wir alle so viel zu Hause herumhängen, sieht es hier nicht mehr schön aus. Wir wohnen gerade unsere Wohneinheit ab. Sie ist zu einer Mischung aus Pombärentüte und Rudis Reste-Rampe verkommen. Es reicht schon, still am Tisch zu sitzen und die Finger über die Tastatur zappeln zu lassen. Und die Wollzwerge kriechen aus ihren Löchern und tanzen Tango.

Außerdem leben wir in einer Glocke aus Eierkuchengeruch. Aber ich will niemandens Zeit verplempern, indem ich siebzig Zeilen volljammere. Kind 1 und Kind 2 sind alles in allem recht glückliche Menschen im Moment. Nach den ersten fünfundzwanzig Schritten des Tages lassen sie sich auf das Sofa fallen, schalten den Fernseher ein und rufen: "Eine Milch!" Und nach einer kleinen Pause: "Bitte!" Dieses erste Getränk, mit dem sie den Tag beginnen, pflegen sie aus handbemalten Keramiktassen zu trinken. Die Tassen hatten sie sich vor ein paar Monaten in einer Bastelwerkstatt angepinselt. Sie nehmen den ersten Grauschleier vom Tag. Natürlich muss die Milch darin warm und mit Kakaopulver gemischt sein, und gerne darf oben ein aufgeschäumtes Milchkrönchen schwimmen. Ist aber kein Muss.

Dann beginnt das Frühstück. Kind 1 und Kind 2 bevorzugen ein Glas stilles Wasser, um ihre Butterhörnchen hinterzuspülen. Die Keramiktassen sind ungeeignet, weil unten eine braune Pfütze schwimmt. Außerdem stehen sie schon in der Spülmaschine, weil der Vater es nicht ertragen kann, wenn überall in der Wohneinheit schmutziges Geschirr wächst. Gegen zehn haben Kind 1 und Kind 2 eine Durststrecke. Sie haben eine Stunde lang Verhandlungen mit mir darüber geführt, dass sie heute schultechnisch Kurzarbeit beantragen möchten, weil die Sonne scheint und der Hund Gassi muss. Jetzt haben sie einen sehr trockenen Mund. Die Gläser vom Frühstück stehen schon in der Spülmaschine. Also nehmen wir Neue. Gegen 15 Uhr hat der Freund von Kind 1 nach einem längeren Trampolinaufenthalt schrecklichen Durst. Er schleicht an meinem Küchentischbüro vorbei und holt sich ein Glas aus dem Schrank. Gegen 15.02 Uhr hat die Freundin von Kind 2 ebenfalls schrecklichen Durst. Gegen 15.57 Uhr braucht Kind 1 etwas zu trinken. Weil es aber nicht mehr weiß, welcher Becher von ihm benutzt wurde, nimmt es sich einen neuen. Würde mich jemand fragen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe: Hier ein klares Nein.

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