Meine Kinder gehen gerne zum Friseur. Denn dort gibt es ein Aquarium. Der Mittlere (3) drückt seine Nase an der Scheibe platt, sodass die Fische wohl denken, er wäre ein frisch zugezogener Wels. Dann fragt er: „Wann sind denn dort mal wieder Delfine drin? Oder Haie?“ Dazu kann ich leider keine exakte Zeitangabe machen. Ich weiß ja nicht, ob demnächst der Friseursalon geflutet wird, um als Riesenaquarium Besucher anzulocken. Den Stadtteil würde das auf jeden Fall aufwerten, und man bekäme vielleicht Fördergeld von der EU. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Friseurinnen von der Idee so begeistert wären.

Das Beispiel zeigt aber: Mit Kindern ist alles möglich. In unserer Kleinstadt ist sogar manchmal ein Löwe unterwegs. Mein Sohn hat ihn neulich brüllen gehört. Allerdings nur von Weitem. Aus der Nähe betrachtet, sah der Löwe doch eher aus wie ein Pudelmischling. Aber davon sollte man sich nicht irritieren lassen. So lange man nicht sicher ausschließen kann, dass es Löwen gibt, die wie Pudelmischlinge aussehen, muss man es für möglich halten.

Es ist wie mit den Einhörnern: Niemand kann beweisen, dass es sie nicht gibt. Früher gab es sie bestimmt. Früher, als die Bäume noch sprechen konnten und Einhörner noch edle Fabelwesen waren und nicht pink glitzernde Abziehbildchen mit Rehaugen und Stupsnase. Meine Tochter (6) hat jetzt allerdings die nächste Stufe des Erwachsenwerdens erreicht und ist „nicht mehr so begeistert von Einhörnern“. Stattdessen interessiert sie sich für Pferde. Ganz kurz habe ich mich darüber gefreut. Bis dann das Mädchen verkündete, dass es reiten lernen will. Da sehnte ich mich dann doch zu den Einhörnern zurück. Das war billiger.

Aber echte Tiere sind eben faszinierend. Als die Große zwei Jahre alt war, kamen wir mal an einem Hundesportplatz vorbei. Wegen der bunten Sportgeräte hielt sie ihn für einen Spielplatz. Als wir ihr erklärten, das sei ein Spielplatz nur für Hunde, war sie hin und weg. „Spielplatz nur für Hunde!“ rief sie noch nach Wochen immer wieder begeistert. Ich hatte ihr auch erklärt, dass die Hunde auf diesen „Spielplatz“ gehen, weil sie lernen müssen, zu hören. Kurz darauf, ich weiß nicht mehr, in welcher Situation, sagte ich zu ihr: „Du musst hören!“ Worauf sie mir mit einem breiten Grinsen erklärte: „Hunde müssen hören!“

Seitdem gehen wir so oft wie nur möglich auf den Spielplatz – natürlich auf den richtigen, nicht auf den für Hunde. Vielleicht nützt es ja trotzdem noch etwas.

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