Ob es an der aktuellen Krise liegt beziehungsweise daran liegt, dass die Menschen sich angesichts von Verhaltensregeln oder Vorschriften zum richtigen Umgang mit der Bewegungsfreiheit in ihrer Einstellung dazu verändern, weiß ich wirklich nicht, ist mir aber auch egal, nur bin ich mir ganz sicher, dass solche Hinweise von Leuten am Telefon zugenommen haben und mir das überhaupt gar nicht gefällt. Das Beispiel von heute: Eine Leserin ruft mich an, um mit mitzuteilen, dass ihr Nachbar offenbar stark angetrunken zum Einkaufen gefahren ist, was aber an sich nicht ihre Angelegenheit sei, würde der Mann nicht ein öffentliches Amt bekleiden, und deshalb sei es ein Skandal, dessen Aufdeckung ihrer Ansicht nach ans Licht der Öffentlichkeit gehört. Schwerer als zu Beginn der Pandemie fällt mir mittlerweile auch, uneingeschränktes Verständnis dafür aufzubringen, wenn mich jemand anruft, nur um mir mitzuteilen, was er von dem Vorschlag eines Virologen hält, wie die Menschen sich verhalten sollen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, obwohl (ich betone mal) davon in der Zeitung gar nichts zu lesen war. "Der in einem geöffneten Fenster aufgestellte Ventilator ist doch wohl ein Witz, oder was meinen Sie dazu?", fragte mich ein Mann in der Leitung, der davon gerade im Radio etwas gehört hatte. Diesen Satz muss ich seit vielen Jahren akzeptieren, was auch nicht immer ein leichtes Unterfangen ist, denn wenn ich die Leute frage, warum sie deswegen gerade bei mir angerufen haben, bekomme ich zur Antwort: "Ich kenne niemanden, den ich sonst anrufen könnte." Damit dieser Blogeintrag nicht nur einer mit einem resignierenden Unterton wird, berichte ich jetzt noch von dem Vorschlag eines Lesers, der sich an mich gewandt hatte, nachdem er gestern den Beitrag "Niedrige Lagen überlässt der Forst künftig dem Borkenkäfer" auf der Titelseite und die Reportage "Schwere Zeiten für die Fichte" auf der Seite "Zeitgeschehen" gelesen hatte. Seinen Hinweis finde ich ebens bemerkenswert wie motivierend: "Warum aber teuer aufforsten? Das kann man mit ein bisschen Geduld genauso gut der Natur überlassen. Wo von allein nicht genug Anflug an Laubbäumen kommt, könnte man ja in Altbeständen gesammelte Bucheckern und Eicheln in Töpfen und Blumenkästen anzüchten, und später auf von Gestrüpp befreiten Waldbodenflächen anpflanzen." Und weil er so im Denken war, fiel ihm dann auch dies ein, womit er sich meiner uneingeschränkten Zustimmung sicher sein konnte: "Das Ganze gern mithilfe von Schulklassen, denn das wäre nebenbei ein praktischer Biologie- und Heimatkundeunterricht mit frischer Waldluft und Bewegung, auch um dem durch zwei Monate Digitalschule provozierten Risiko von Langzeitschäden an Augen und Wirbelsäule etwas entgegenzuwirken. Zwei Meter Abstand zu halten ist im Wald problemlos machbar." Mir bleibt noch diese Bitte zum Abschluss: Wer auch immer sich mit Blick auf den eigenen Garten in den vergangenen Tagen an die für Regen zuständigen Himmelbewohner gewandt hat, er möge bitte damit aufhören, um mehr davon zu bitten; es reicht, finde ich, ich will Sonne und Wärme.

Weitere Blog-Einträge