Die größte anzunehmende Herausforderung für mich als Leserobmann dieser Zeitung ist am Montag zwischen zehn und zwölf zur Realität geworden. Dies war passiert: Die erste Meldung der Nachrichtenagentur DPA, dass Sigmund Jähn gestorben ist, erreichte meine Kollegen in der Redaktion am Sonntag um 20.56 Uhr. Das war wenige Minuten bevor für die ersten Lokalausgaben der "Freien Presse" die Druckmaschinen anlaufen sollten. Also haben die diensthabenden Redakteure, weil für mehr einfach absolut keine Zeit war, die Nachricht über den Tod des ersten deutschen Raumfahrers mit einem Foto auf die Titelseite genommen. In den nächsten Ausgaben, die in den Druck gehen sollten, war es dann schon die Titelgeschichte mit einem langen Beitrag und großem Foto auf der ersten Seite, und in den noch später gedruckten Ausgaben kam dann eine große Reportage über das Leben von Sigmund Jähn auf der Seite "Zeitgeschehen" hinzu. Alle im Redaktionsteam hatten große Anstrengungen übernommen und waren sich sicher und einig: Mehr an Berichterstattung zum Tod des 82-Jährigen war ganz einfach nicht möglich gewesen. Das für mich große Problem ergab sich aus dieser Tatsache: Zu den zwei Ausgaben, die nur einen einspaltigen Artikel auf der ersten Seite hatten, gehörten auch zwei im Vogtland erscheinende. Was zur Folge hatte: Leser aus dieser Region haben mich angerufen und sich, also bevor ich überhaupt anfangen konnte, ihnen die Sache zu erklären, höchst emotional darüber beschwert, dass die Heimatzeitung des ersten deutschen Raumfahrers nicht mehr als ein solche kurze Nachricht für nötig hält, um die Menschen über den Tod von Sigmund Jähn zu informieren. Dass er bereits am Samstag gestorben war, was in dem Artikel zu lesen war, bestärkte die Anrufer noch in ihrer Einschätzung, weil es ihnen völlig unverständlich erschien, dass ein so ebenso beliebter wie berühmter Mann an einem Tag stirbt und die Welt erst am nächsten davon erfahren haben sollte. Allen Lesern konnte ich es dann doch erklären, und sie haben mir bestätigt, dass sie es verstehen und nachvollziehen können. Was alle Anrufer aber gleichermaßen gefühlt haben, hat dieser so formuliert, und damit möchte ich diesen Blogeintrag heute ohne weitere Ausführungen einfach mal abschließen: "Mein durch diesen kurzen Artikel noch größer gewordene Trauer mindert es aber nicht, ich kann dagegen nichts machen, es bewegt mich so tief, ich könnte ununterbrochen weinen."

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