Trend zum Kriechtier

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Wer Kinder hat, lernt täglich Neues. Wussten Sie, dass Amseln Drosseln sind? Dass alle Hornträger, die keine Rinder, Schafe oder Ziegen sind, Antilopen genannt werden? Und dass bei Schnirkelschnecken die Kacke aus dem Schneckenhaus kommt?

Die ersten beiden Informationen habe ich aus dem Internet. Die dritte durch eigene Beobachtung. Denn unsere Große hält neuerdings drei Schnirkelschnecken als Haustiere. Es ist schon die zweite Generation. Die erste wohnte in einem Schneckenhotel, das das Mädchen mit seiner Freundin im Garten aus Pflastersteinen gebaut und mit Gras ausgestattet hatte. Allerdings waren die undankbaren Viecher wohl mit dem Zimmerservice nicht zufrieden und büxten aus. Die Nachfolger wohnen nun in einer Kiste bei uns im Flur. Für kurze Zeit befand sich das Schneckarium auf dem Balkon, aber die glänzende Abdeckfolie gefiel der Elster. Dieser komische Vogel hält sich unberechtigterweise für ein Familienmitglied und hat schon einen Schokoladen-Osterhasen auf dem Gewissen. Die Schnecken befinden sich jetzt unter dem persönlichen Schutz meiner Tochter.

Ich liebe Tiere. Vor allem, wenn sie in freier Wildbahn mit gebührendem Abstand ihre Geschäfte verrichten. Die Schnecken waren ein Kompromiss, nachdem die Große mit ihrem ständigen Verlangen nach einem Haustier schon das Tier in mir geweckt hatte. Rationale Argumente – wir wohnen zur Miete und machen Urlaub in einem VW-Bus, der mit fünf Personen schon ausreichend gefüllt ist – brachten gar nichts. Doch von Schnecken kann man viel lernen. Es stimmt nämlich nicht, dass sie langsam sind. Natürlich braucht ein Kriechtier eine Weile, um von einer Ecke des Gartens zur anderen zu kommen. Aber im Verhältnis zur Körpergröße ist das ja auch weit. Zumal es unterwegs viel zu entdecken gibt.

So ähnlich ist es auch mit meinem mittleren Sohn und der Strecke vom Kinderzimmer zum Bad. Auf dem Weg zum Zähneputzen ist er langsamer als jede Schnecke. Aber der Flur ist ja auch lang, und unterwegs gibt es so viel zu entdecken… Ich atme tief durch und beobachte die Schnecken. So entspanne ich mich. Kurz. Dann erfahre ich aus dem Internet, dass Schnecken bis zu 40 Eier legen. Es wird also höchste Zeit für eine Befreiungsaktion.

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