Überraschungseier

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Ich wollte nur Eier essen, mehr nicht. Eier eignen sich unheimlich, um mit wenig Zauberei die Familie satt zu bekommen. Der tägliche Eisprung der Gartenhenne ist ein Segen für jemanden wie mich, der nicht kochen kann. Falls das stimmt, was man sich beim Friseur erzählt, bin ich in der Küche so überflüssig wie Schimmelpilz im Brotkasten. Es heißt nämlich, meine Kinder seien deshalb so dünn, weil ich nicht kochen könne.

Jedenfalls hatte ich Lust auf Spiegelei. Schale aufklopfen, Ei in die heiße Pfanne laufen lassen, Salz darüber bröseln, fertig. An dieser Stelle habe ich mehrfach davon erzählt, dass Kind 1 in unserem Vorgarten Hühner hält. Sie leben in einer kleinen Holzbude und verputzen säckeweise Hühner-Müsli. Leider legen seine Mädels seit neun Wochen keine Eier mehr. Das fing damit an, dass der Hahn an Männerschnupfen erkrankte und im Schatten des Apfelbaumes auf den Tod wartete. Doch der Hahn starb nicht. Er erholte sich und geht heute wieder einem glücklichen Freilandhuhnleben nach. Dann begannen die Hennen, ihr Federkleid gegen eine geeignete Wintergarderobe zu tauschen. Das nennt man Mauser, und dieser Zustand dauert immer noch an. Er erinnert mich an die Wahl meiner letzten Winterjacke. Auch dieser Prozess dehnte sich über mehrere Wochen, weil ich mich nicht entscheiden konnte, wie ich im Winter aussehen möchte.

Wir hatten also keine Eier. Seit Kind 1 an jede unserer Zimmertüren Zettel mit halbnackten, dürren Hühnern gehängt hat, kaufe ich im Supermarkt keine Eier mehr. Keiner aus meiner Wohngruppe würde diese Eier anrühren. Auch Kind 2 kämpft inzwischen für mehr Hühnerglück. Letzte Woche hat das Mädchen laut über einen Farbanschlag auf die Supermarkt-Eierabteilung nachgedacht. Beim Einkaufen sagte es, man müsste mit Filzstift etwas ans Regal schreiben, das zum Beispiel: "Achtung Käfighaltung. Stellen Sie sich vor, Sie müssten in Ihrer Duschkabine leben!" Das wäre Sachbeschädigung, sagte ich. Oh, sagte das Kind und lief zügig weiter.

Weil unsere Hennen trotzdem keine Eier legen, kaufte ich welche beim Bauern. Kind 1 sah diese Packung in der Küche liegen und riss sie sofort auf. Der Junge erklärte, er kontrolliere nur, ob die Eier wirklich aus einer netten kleinen Hühner-WG stammen oder ob ich betrogen wurde. Der Moment des Öffnens setzte bei ihm ein Feuerwerk der Glücksgefühle frei. Manche waren grün, manche weiß, manche braun. Der Junge war beeindruckt. "Da sind Marans drin. Und Seidenhühner! Und Grünleger!" Er hielt mir einen Vortrag darüber, dass eine einzige Maran-Henne 200 Eier im Jahr lege. Etwas später wollte ich Milch aus der Speisekammer holen. Dort saß mein Sohn auf dem Fußboden. Vor ihm stand die Brutmaschine, und darin lag unser Abendessen.

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