Mein Sinn für Humor stößt häufiger an Grenzen, als mir das lieb ist, weil ich den Lesern dann irgendwie zu verstehen geben muss, dass ich darüber nicht lachen kann, was sie mir gerade mitgeteilt haben. Zum Beispiel ist da ein Mann, der das Prinzip des fiktiven und Fragen beantwortenden Radiosenders zu Zeiten des sozialistisch-kommunistischen Sowjetregimes einfach übernommen hat und mir nun öfter mal etwas von "Radio Corona" berichtet, etwa in diesem Sinne: Frage an Radio Corona: Fühlen sich die Menschen von den Printmedien zurzeit gut informiert? Antwort: Im Prinzip ja, nur haben leider viele Redakteure die kritische Distanz zur Pandemie verloren und suchen lieber Sicherheit im Herdenjournalismus. Lustig? Da finde ich die Bundeskanzlerin, die jeden Morgen meinen Chefredakteur anruft, um ihm die Linie für die Berichte in der Zeitung vorzugeben, eher schon komisch, weil ich mir vorstelle, dass manche Zeitgenossen das für bare Münze nehmen. Selbst in der Flut der mich immer noch erreichenden Reime zur Pandemie soll mancher Vers witzig sein, während ich ihn eher als das Gegenteil davon einstufen würde, auch hier als Beispiel dieser Zweizeiler eines Lesers: "Warte, warte, nur ein Weilchen, dann kommt das Virus auch zu Dir, in die kleinen Lungenteilchen und macht Schabefleisch aus Dir." Amüsiert habe ich mich auch nicht über die zehn Gebote, von denen ein Leser meinte, sie seien ihm in einem Traum erschienen, weshalb er seine Erleuchtung mit allen Menschen teilen möchte. Kostprobe, aber gern, erstes Gebot: Du sollst Klopapier hamstern. Drittes Gebot: Du sollst bei der Polizei anzeigen, wer an einer Coronaparty teilnimmt. Fünftes Gebot: Du sollst das Pedal für die Schuldenbremse mit dem Gaspedal verwechseln. usw. usw. usw. Abschließend noch eine wirklich komische Situation, in der ich spontan gelacht habe, wobei der Leser in der Leitung das gar nicht witzig fand und sich entsprechend geäußert hat. Ich hatte den Mann angerufen, weil er sein Abonnement gekündigt hatte und die Kolleginnen in der Serviceabteilung mich darüber informiert haben, weil "unzufrieden mit dem Inhalt der Zeitung" als Grund angegeben hatte. Also habe ich ihn gefragt: "Warum genau sind sie mit dem Inhalt unzufrieden?" Seine Antwort: "Zu wenig interessante Artikel." Natürlich wollte ich von ihm wissen, was genau er denn vermissen würde an Berichten und Reportagen. "Na, ist doch klar, alles das, was eben nicht in der Zeitung steht, was denn sonst?" Leider ist es mir in diesem Moment nicht gelungen, mein Schmunzeln zu einem lautlosen zu machen, und obwohl ich mich dafür entschuldigt habe, war die Unterhaltung dann etwa eine halbe Minute später an ihr Ende angelangt. Schade auch, weshalb ich diesen Blogeintrag unbedingt mit einer positiven Notiz beenden möchte und deshalb den ersten Vers eines anderen von einem Leser verfassten Gedicht zur Pandemie zitiere, er lautet: "Der Mensch bedarf des Menschen sehr, allein sein ist meist recht schwer." Wie wahr.

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