Unter Wolken duschen

Ich bin noch nie gern in Pfützen gesprungen. Während sich die anderen Kinder einen Spaß daraus machten, von einem Wasserloch ins nächste zu hopsen und sich ausgiebig mit Matsch zu besudeln, stand ich mit meinem Regenmäntelchen in sicherer Entfernung und beobachtete das Treiben mit einer Mischung aus Abscheu und Verwunderung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Regenwetter ist nicht mein Freund.

Leider sind meine Befindlichkeiten dem Wettergott herzlich egal. Meinem Trainingsplan auch. So muss ich meine Runden auch dann drehen, wenn es schüttet wie aus Eimern. Da ich nach wie vor der Meinung bin, dass Pfützen-Hüpfen nicht lustig ist, versuche ich mir anderweitig einzureden, dass ich Regen gut finde. An einem heißen Sommertag zum Beispiel. Nichts ist erfrischender als prickelnder Nieselregen. Oder in der Heuschnupfensaison. Wenn die kleinen Tropfen die Luft von Pollen rein Waschen und man endlich wieder frei atmen kann.

Außerdem gibt es ja laut Volksmund kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. In meinem Laufratgeber heißt es, der Regenläufer solle sich nach dem Zwiebelprinzip kleiden. Dabei bildet eine doppellagige Funktionsjacke die äußere Hülle, ein langärmeliges Funktionsshirt die zweite Schicht und Funktionsunterwäsche  sorgt im Inneren für das besonders sichere Tragegefühl. Die Lauftreter tauscht man gegen griffige Trailschuhe mit wasserabweisenden Obermaterialien, die Socken werden präpariert mit speziellen Überziehern und den MP3-Player nimmt man lieber gar nicht erst mit. Fehlt eigentlich nur noch die Taucherbrille und ein aufblasbares Gummiboot und die Sintflut kann kommen.

Überhaupt ist alles Einstellungssache. Natürlich kann ich mir Angenehmeres vorstellen als nasse Füße und einen vollgesogenen Baumwollpulli. Aber gerade das ist doch das Reizvolle am Laufen. Die Begegnung mit den Elementen. Das Rohe, Ursprüngliche, Unverfälschte. Sturmböen, die bei kaltem Regen ins Gesicht peitschen: intensiver kann man Natur nicht erleben.

Am Schönsten ist das Gefühl nach so einem Regenlauf. Wenn man bis auf die Knochen nass geworden ist und sich endlich unter die heiße Dusche stellen darf. Wenn das warme Kribbeln auf der Haut durch den ganzen Körper strömt und ein herrlich gesundes Gefühl hinterlässt. Und man sich dann mit einer Tasse Tee wohlverdient auf die Couch verkrümelt. Und wenn man die Augen zumacht, klingt der Regen wie Applaus.*

Noch 148 Tage bis Tag X

Läufe: 2

Wochenkilometer: 23

Gemütslage: Sonnig

Fazit Woche 11: Es stimmt schon. Nach dem Regen scheint die Sonne besonders hell.

* Zitat von Enno Bunger

Weitere Blog-Einträge