Das Urlaubsmitbringsel auszuwählen, das ist für Kind 1 und Kind 2 ein Moment des kleinen Glücks. Ich dagegen finde schon das Wort blöd. Urlaubsmitbringsel. Weil es so schwammig ist. Bei „Sonnenbrille“ weiß jeder sofort, was gemeint ist. Das sind zwei Gläser, die über der Nase befestigt werden und dazu dienen, bei starker Sonneneinstrahlung künstliche Wolken vor den Augen zu produzieren. Bei „Mitbringsel“ muss ich an Mallorca-Akne denken und an Tropenkrankheiten. Zwängt sich beides von selbst auf während der Reise, wenn man Pech hat.

Alleinstehende ältere Herren stellen sich unter „Urlaubsmitbringsel“ vielleicht nette Frauen aus Thailand vor. Preiswert, aber ebenfalls nicht besonders lange haltbar: Louis-Vuitton-Taschen und Rolex-Uhren für ein, zwei Zehner. Gibt‘s beim Strandhändler an der italienischen Küste.

Jedenfalls reisten wir durch den Sommer und wollten etwas von ihm konservieren. Kind 2 entschied sich für etwas, das Hand und Fuß hat für die nächsten, sagen wir, zwei Millionen Jahre. Das Mädchen trägt nun einen Jade-Heilstein als Halskette, und der schimmert grün vor sich hin. Ich finde, wir Deutschen dürfen uns ruhig häufiger Jade-Kettchen umbinden. Jade soll gegen Vorurteile helfen, die Nerven beruhigen und für Zufriedenheit sorgen, steht im Heilstein-Lexikon. Jade für Jan Ullrich! Jade für Alexander Gauland!

Wir fuhren noch im Auto Richtung Kroatien, da hatte Kind 1 bereits Vorstellungen, wie sein Mitbringsel aussehen soll: weiß und rechteckig. Der Junge wünschte sich 500 Blatt Druckerpapier. Ich fand das unromantisch und redete so lange über geeignete Urlaubsmitbringsel, bis er sich die Ohren zuhielt und sehr laut „Zehn kleine Jägermeister“ sang. Dann legten wir ein Hörspiel ein von einer Katze, die sich über ihre Mitbewohner beschwert.

Kind 1 blieb beharrlich auf dem Standpunkt, dass Druckerpapier als Urlaubsmitbringsel durchgeht. Der Junge hatte sein Papier vergessen und wollte Flieger basteln. Darin ist er Profi. Flieger aus Zeichenpapier fliegen blöd, erklärte Kind 1.

Wir wollten einen fröhlichen Urlaub und gaben nach. Wer schon einmal versucht hat, Druckerpapier in Touristenorten zu kaufen, weiß, wie schwierig das ist. Wir liefen durch die Küstenstädtchen, stundenlang, fragten nach den örtlichen Papier-Dealern. Erst im dritten Städtchen hatten wir Glück, und Kind 1 war glücklich. Wird bald aufgebraucht sein, das Mitbringsel. Im Kopf halten diese Stadtrundgänge auf der Suche nach Papier lebenslänglich. Ein netter Gedanke.

Weitere Blog-Einträge