Verdammtes K-Wort

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Eva-Maria Hommel will das Wort von ihren Kindern nicht mehr hören

Hier geht es mal wieder um Ausscheidungsvorgänge. Tut mir leid. Offenbar durchlebt jedes meiner Kinder diese interessante Lebensphase, in der alles, was hinten rauskommt, eine unbeschreibliche Faszination ausübt.

Jetzt hat unser Mittlerer mit seinen Kindergarten-Kumpels einen Wettbewerb laufen. Es gilt, in einem Satz möglichst oft die Wörter „Kacka“, „Kacken“ und „Pullern“ unterzubringen. Leider nimmt er diesen Wettbewerb sehr ernst und übt zu Hause mit großer Ausdauer. Sein Freund wird wohl verlieren, denn der darf daheim nicht üben: Der große Bruder verbittet sich solchen Sprachgebrauch. Seit ich das weiß, frage ich mich mit zunehmender Verzweiflung, woher auch wir so einen großen Bruder bekommen könnten. Vielleicht kann man sich gegen Gebühr einen ausleihen.

Wahrscheinlich hat unser Vierjähriger einfach seinen Freud nicht richtig gelesen. Sonst wüsste er, dass die anale Phase bereits im Alter von zwei bis drei Jahren stattfindet. Angeblich empfinden Kinder in dieser Zeit das Entleeren des Darms als befriedigend und lernen dabei Selbstbestimmung. Küchenpsychologie? Also bitte. In der Küche möchte ich das Thema nun nicht haben.

Wahrscheinlich ist die Faszination für das, was der eigene Körper von sich gibt, in einer gewissen Lebensphase normal. Früher hat der Mittlere seinen Ausscheidungen sogar Namen gegeben. Alle Familienmitglieder waren vertreten. Das meinte er nicht negativ. Vielleicht kann man es so deuten, dass wir ein Teil von ihm sind.

Außerdem geht es natürlich darum, die Reaktion der Erwachsenen zu testen. Und die Möglichkeiten der Sprache auszuprobieren. Ich gebe zu: Das Lied „In der Weihnachtskackerei“ gefällt mir sogar ein bisschen. Es erinnert mich daran, dass bald wieder die gemütliche Jahreszeit kommt, in der wir den Nusskacker aufstellen.

Vielleicht hilft das K-Wort sogar gegen das Lispeln. Ich denke an den Film „The King’s Speech“, in dem sich der englische König George VI einer Therapie unterzog. Während er seine Rede übte, sagte er die unflätigsten Wörter vor sich hin – und überwand so das Stottern. Vielleicht wird auch mein Sohn bald eine perfekte Aussprache haben. Wenn sich mal wieder die Leute auf der Straße umdrehen, behaupte ich einfach: „Das hat er bei der Logopädie gelernt.“ Falls sie das trotzdem kacke finden – ich könnte es verstehen.

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