Bei diesem Thema und den beiden Berichten "Rückkehr nach 27 Jahren" und "Teurer Schnee" über den Skilanglauf-Weltcup in Dresden am Wochenende habe ich festgestellt und mich sehr darüber gefreut: Auf "meine Leser" ist Verlass. Mehr als zehn Leserbriefe sind unmittelbar nach dem Erscheinen bei mir eingegangen, und alle Autoren waren sich in der Einschätzung, was von diesem sportlichen Großereignis zu halten sei, einig: Gar nichts. Die nächste Seite "Leserforum" hat ihr erstes großes Thema. Was sonst noch in dieser Woche nicht verschwiegen werden soll, ist in meinen Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche zwischen zehn und zwölf nachzulesen:

Episode 1: In der Woche erreichen mich durchschnittlich drei bis vier Briefe von Lesern, in denen es nicht um Meinungen zu Artikeln in der Zeitung oder zurzeit gerade öffentlich kontrovers diskutierten Themen geht, sondern den Autoren einzig allein darum, mir einen Text zu schicken, von dem sie meinen, dass er mich interessieren könnte, oder bei dem sie davon ausgehen, dass ich vielleicht jemanden kenne, den er interessieren könnte, damit ich ihn dann weiterleiten kann. Diese Aufsätze und Geschichten finden in meinen Kolumnen oder Blogeinträgen eigentlich so gut wie nie einen Platz, weil sie fast immer viel zu lang sind, um sie komplett wiederzugeben, aber ich auch nicht kürzen oder Auszüge veröffentlichen möchte, denn dann würde ich den Verfassern in ihrem Ansinnen tatsächlich nicht gerecht werden. Weshalb mir heute, da mich zwei solche Texte erreicht haben, auf die Idee gekommen bin, ich könnte ihr von ihnen kurz berichten, und wer Interesse daran hat, sie in voller Länge lesen zu wollen, kann sich bei melden, und ich verschicke sie dann in einer Mail. Also: Ein Autor hat mir seine Gedanken zu den überwiegend pädagogisch relevanten Themen Disziplin, Fleiß und Mitarbeit sowie Ordnung und Verständigung mitgeteilt - möchte jemand sie mit dem Mann teilen? Ein anderer Leser übermittelte mir einen Text mit dieser Überschrift: "Ein Besuch Außerirdischer zwischen Weihnachten 4016 und Ostern 4017 - Die kürzeste Geschichte einer vermeidbaren Tragödie". Besteht Interesse?

Episode 2: Bei dieser Beschwerde war ich, was eher selten vorkommt, total überfordert, weshalb ich, um nicht zu verschweigen, dass mir das mitunter passiert, nun einfach nur davon berichte. Ein Anrufer hatte sich bei mir gemeldet, nachdem er diese Nachricht in der Zeitung gelesen hatte: "Unbekannte haben in (...)  ein Simson-Moped gestohlen. (...)  Das Moped, das mit einem Schloss gesichert war, ist in einem guten Zustand, da es erst kürzlich restauriert worden war. Die Simson mit schwarzem Rahmen, blauem Tank und weiß-blauen Schutzblechen hat einen Wert von etwa 1200 Euro." Seine Kritik: Ein Moped sei ein Zweirad, das zwingend mit Pedalen (Motor und Pedale gleich "Moped") ausgerüstet sein müsse, was aber bei einem Gefährt der Marke "Simson" eben nicht der Fall sei, weshalb diese motorisierten Zweiräder der Kategorie "Mokick" zuzuordnen seien. Weshalb mein Kollege dann aber das weibliche Geschlecht für "die" Simson gewählt habe, würde nach Ansicht des Lesers in der Leitung wohl sein Geheimnis bleiben. Keine Ahnung, was richtig ist, aber jedenfalls habe ich dieses Problem nicht ignoriert.

Episode 3: Weil ich immer noch auf der Suche nach einem Titel für meine Memoiren bin, die ich bereits in Arbeit habe, aber nicht vor dem Jahr 2025 veröffentlichen werde, möchte ich nicht verschweigen, dass ich vor einiger Zeit eigentlich schon eine Entscheidung getroffen hatte: "Am Anfang war das Wort" wollte ich meine dreibändige und vermutlich 1800 Seiten lange Geschichtensammlung aus meinem Leben (als Leserobmann) nennen; dann habe ich davon einem Kollegen erzählt, dass ich mich dann darauf einstellen müsste, dass mich Zeitgenossen mit einer christlichen Überzeugung dann wohl wegen einer Verletzung des Urheberrechts verklagen könnten oder sogar der Vatikan eine Unterlassungsverfügung erwirken könnte, habe ich diesen Vorschlag dann ganz schnelle wieder verworfen. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle aber, wie mir "Am Anfang war das Wort" eingefallen war. Das war heute vor einer Woche, nachdem sich (ich betone) sechs Leser bei mir gemeldet hatten, weil sie mir etwas zu der Bildnachricht auf der Titelseite sagen wollte; es ging darum, dass der Skispringer Richard Freitag bei der Vierschanzentournee bei einer Landung gestürzt war und deshalb keine Chancen auf den Gesamtsieg mehr habe. Gestört hatten sich die Anrufer ausnahmslos an der Überschrift, denn dort war das Wort "Bruchlandung" zu lesen. Das sei "seelische Grausamkeit" meinte eine Frau in der Leitung, während ein Anrufer von "aber so was von respektlos" sprach und ein Leser sogar von einer "handfesten Beleidigung" sprach und mir versicherte, sich weitere Schritte vorbehalten zu wollen, sich bei "übergeordneten Stellen" darüber zu beschweren. 

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