Meine Kinder sind so gut zu mir. Jetzt haben sie sogar ein Spiel erfunden, in dem es um mich geht. Um mich als liebende Mutter und meine aufopferungsvollen Aufgaben wie Nörgeln und Auto fahren.

Das Spiel hat Kind 2 erfunden, und es hat darin meinen Alltag aufs Wesentliche reduziert: nörgeln und herumfahren. Dass ich auf Arbeit nichts mache, hat Kind 2 bereits gesehen, als es mich eines Tages ins Büro begleitet hatte. "Du spielst nur am Computer", sagte das Mädchen.

Dann verteilte es Gummibärchen an die Kollegen und fragte, ob jemand einen Rechner frei hat, damit es auf Youtube "Mein kleines Pony" angucken kann. Das Spiel heißt jedenfalls "Manu und Frank". Es eignet sich für Kinder ab sechs, fördert die Grobmotorik und die Fantasie.

Nachdem ich wieder den ganzen Tag im Auto durch die Landschaft gereist war, bis ich keine Lust mehr hatte, parkte ich am Hort. Kurz vor Ladenschluss. Ich schälte meinem Körper aus dem durchgesessenen Fahrersitz. Kind 1 lungerte hinter einem Baum. Der Junge wartete bereits auf mich.

"Wo ist deine Schwester?", fragte ich. Er nickte mit dem Kopf in Richtung Schaukel, und ich sah zwei Mädchen dort auf- und abpendeln. Kind 2 und eine Freundin von Kind 2. "Die besetzen schon den ganzen Tag die Schaukel und spielen Manu und Frank", sagte Kind 1. Frank ist mein Mann.

Die Spielregeln erklärte Kind 2 persönlich: Bis zu drei Spieler können mitmachen. Einer spielt Manu, einer Frank und einer den Tankstellenmann. Manu und Frank schaukeln. Die Schaukeln sind ihre Autos. "Bei mir sind nur Kurven auf der Straße", sagt die Manu. "Und bei mir geht es immer nur gerade aus", sagt der Frank.

Daraufhin ruft die Manu-Spielfigur bei der Verstadtwaldung an und beschwert sich. Weil es einen Monat dauert, bis bei der Verstadtwaldung ein Verstadtwalder ans Telefon geht, fährt die Manu-Spielfigur immer mal tanken, kauft sich einen Kaffee und eine Zeitung. Das war’s.

Ich schwieg und wartete. Ich hoffte, dass mir Kind 2 das Spielende erklärt. Aber Kind 2 war fertig. "Warum beschwere ich mich über die Kurven?", fragte ich. "Was ist eine Verstadtwaldung?", fragte ich. "Warum ist die Frank-Straße nur gerade?", fragte ich.
Das Mädchen rollte mit den Augen, stieß eines der Geräusche aus, das Karatekämpfer zum Zerschlagen von Ziegelsteinen benutzen und schimpfte: "Du kapierst überhaupt nichts!"

Am nächsten Morgen ließ ich mich matt in mein Auto plumpsen, fuhr durch die Gegend, tankte und kaufte einen Kaffee.

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