Zweimal bin ich heute zwischen zehn und zwölf wegen der gleichen Nachricht in der Zeitung mit dem Problem konfrontiert worden, den Lesern, die mich wegen dieses Hinweises angerufen hatten, erklären zu müssen, dass es richtig ist, was sie ihrer Ansicht nach in einem Artikel als falsch erkannt haben, weil sie meiner Meinung nach nicht verstehen wollen (oder können), wie es gemeint und deshalb korrekt ist, was ich ihnen aber nicht sagen darf, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen und wie ein Oberlehrer klingen möchte. Wie ich mich dann verhalte und was ich sage? Diesen Satz, der auch diese beiden Anrufer  zufriedengestellt hat: "Ich werde meine Kollegen darauf hinweisen, mit ihnen reden und Ihre Einschätzung dieses vermeintlichen Fehlers auswerten." Darum ging es: Auf der Titelseite war die Meldung "Corona: Kein neuer Fall in Sachsen" zu lesen. Der erste Satz war dieser:

"Erstmals seit knapp drei Monaten sind in Sachsen keine neuen Coronafälle gemeldet worden."

Das sei doch "ausgemachter Blödsinn" meinte der erste Leser, weil doch Anfang März (also vor drei Monaten) bekannt war, dass es sich um eine Pandemie handelt, und dass deshalb täglich von den vielen Neuinfektionen berichtet worden war, während der zweite Anrufer davon ausging, dass man über diese falsche Information eigentlich lachen müsse, weil sie doch angesichts der Coronazahlen in den vergangenen Wochen so offensichtlich eine ist, wenn es nicht eigentlich ein trauriger Anlass wäre. Beiden Anrufern habe ich zuerst die drei nachfolgenden Sätze vorgelesen:

"Am Pfingstmontag lag die Anzahl der nachgewiesenen Infektionen wie schon am Sonntag bei 5304, teilte das Gesundheitsministerium mit. Auch die Anzahl der Todesopfer blieb bei 210. Schon in den beiden Tagen zuvor über das Pfingstwochenende war kaum noch eine Zunahme der Infektionen registriert worden."

Beide haben meiner Erläuterung beziehungsweise die Erklärung des ersten Tages ohne Neuinfektionen seit drei Monaten nicht folgen wollen (oder können) und waren der Ansicht, dass dieser Fehler unbedingt berichtigt werden muss. Nun die Frage des Tages: Kommt der Leserobmann eigentlich manchmal an die Grenze dessen, was er mit einer Engelsgeduld und viel heiterer Gelassenheit für sich selbst verarbeiten kann, ohne an sich selbst zu (ver-) zweifeln? Die Antwort ist eine deutliche: Nein.

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