Vor mir in der Schlange an der Kasse des Drogeriediscounters standen während meiner Mittagspause heute drei Kunden, denen ich also, weil ich warten musste, beim Bezahlen ihrer Waren zuschauen konnte. Mit diesem Ergebnis: Alle drei haben bargeldlos ihre Schuld beglichen, zwei mit Karte, eine junge Frau mit Smartphone; eine Nummer eintippen mussten sie ausnahmslos nicht. Mein Betrag für Zahnpasta, Müsliriegel und Hanfsamen belief sich auf 5,98 Euro. Ich reichte der jungen Dame an der Kasse einen Zehn-Euro-Schein, bekam mein Wechselgeld zurück, steckte die vier Euro in die Hosentasche, weil ich nun mal leider keine Geldbörse besitze, nur eine Brieftasche ohne Kleingeldfach, und die zwei Cent in eine dafür bereitgestellt Box, deren gesammelter Inhalt einem Kinderhilfswerk zugutekommen soll. An dieser Stelle habe ich mal wieder gedacht: Noch ist es nicht soweit, ich bleibe auch weiterhin eine Mensch, der das Geld tatsächlich in die Hand nehmen möchte, bevor er es ausgibt. Warum? Keine Ahnung, da vertraue ich meinem Bauchgefühl, dass ein besseres ist, wenn ich die Euros und Cents auch sehen kann, bevor ich sie ausgebe. Warum ich das erzählt habe? Sieben Leser haben mich seit dem Erscheinen des Artikels "Bald Aus für das Kleingeld?" angerufen, um mir zu erzählen, warum sie überhaupt rein gar nichts davon halten, wenn es die Ein- und Zwei-Cent-Münzen nicht mehr geben würde. Sechs Anrufer führten vor allem dieses Argument ins Feld, dieser Mann darf es jetzt aussprechen: "Glauben Sie wirklich, dass der Handel die Beträge abrunden wird? Nein, er wird sie rigoros aufrunden und uns Verbraucher damit wieder einmal mehr über den Tisch ziehen." Diskutiert habe ich mit den Leuten über dieses Thema nicht, weil sie das ohne Ausnahme auch gar nicht wollten, denn es ging ihnen mehr darum, in mir jemanden gefunden zu haben, bei dem sie ihren Ärger allgemein und vor allem wegen "denen da in Brüssel" abladen konnten. Mir selbst erspare ich jetzt den Versuch, auch nur ansatzweise beschreiben zu wollen, wie emotional die Leser dieses Thema angehen, wobei ich noch nicht einmal mit einbeziehe, dass die mögliche generelle Abschaffung des Bargelds vermutlich in den Köpfen dieser Leute die viel größere Befürchtung sein dürfte. Geschrieben habe ich diesen Blogeintrag eigentlich nur, weil es noch einen achten Leser gab, der sich heute bei mir gemeldet hat, nachdem er auf der Seite "Leserforum" die Meinung mit der Überschrift "Wieder Jagd auf Geld der kleinen Leute" gelesen hatte. Er meinte nämlich: "Es ist doch völlig egal, wie viele Waren ich im Einkaufswagen habe und was die einzeln kosten, denn am Ende gibt es einen Gesamtbetrag und man würde maximal ein paar Cent weniger oder mehr bezahlen", sagte er und fügte hinzu: "Ich verstehe diese ganz Aufregung einfach nicht. Ist das mal wieder typisch deutsch?" Auf diese Frage habe ich eine Antwort, eine persönliche, die ich lieber mal für mich behalten möchte.

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