Durchschnittlich alle drei Tage kommt es vor, dass ich bei Gesprächen am Telefon persönlich beschimpft werde, aber nur heute habe ich überhaupt keine Ahnung, was der Mann in der Leitung überhaupt von mir und was genau er mit dem verwendeten Schimpfwort zum Ausdruck bringen wollte, weil ich es noch nie in meinem ganzen Leben gehört hatte und auch mithilfe der Suchmaschine im Netz keine Erklärung dafür gefunden habe, weswegen ich mal wieder hier um Beistand bitte. Also, die Unterhaltung war keine wirkliche, denn was der Anrufer zu sagen hatte, dauert ganze fünf Sekunden, weil er sich gar nicht erst vorgestellt und sofort wieder aufgelegt hatte. Deswegen das vollständige Protokoll: "Sie sind ein Rosenjudas." Weiß zufällig, was ich mir habe zu Schulden kommen lassen könnte, um diese Bezeichnung zu verdienen?

Durchschnittlich alle zwei Tage bekomme ich einen Anruf von einem Leser, der sich beschweren möchte, weil er einen seiner Ansicht nach völlig überflüssigen englischen Begriff für etwas in der Zeitung gefunden hat, für den es doch ein ebenso gebräuchliches und deshalb viel sinnvolleres deutsches Wort gibt. Nun gibt es unter diesen Leuten mittlerweile solche, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mich spüren zu lassen, dass sie mit dieser zunehmenden Flut an Anglizismen in Artikeln alles andere als einverstanden sind, und die unsere Unterhaltung deshalb immer mit einer Frage beginnen. So wie dieser Mann, der von mir wissen wollte, weil er das auf der Seite "Sport" gelesen hatte, was es damit auf sich hat, darum ging es: "Wissen Sie eigentlich, was Rope Skipping ist?" (An dieser Stelle mache ich eine Pause, die ich damit überbrücke, dass ich schreibe, eine zu machen, weil jeder sich selbst fragen soll, ob er von diesem Begriff schon einmal gehört hat, weil ich nicht alleine sein möchte, wenn es darum geht, sich dafür zu schämen, keine Erklärung dafür zu haben.) Der Mann lachte (laut und hörbar), bevor er mir das deutsche Wort für diese Sportart nannte: "Seilspringen."

Durchschnittlich einmal am Tag bin ich zwischen zehn und zwölf ebenso sprach- wie fassungslos, und weil das so ist, schweige ich in diesen Momenten, weil das, was ich denke, dazu führen würde, wenn ich ausspreche, dass ich Probleme von ganz anderer Seite bekommen könnte, was ich natürlich vermeiden möchte. So wie in diesem Fall, bei dem mich eine Leserin angerufen hatte, um mit mir über Rassismus zu reden, und deren zweiter Satz dieser war: "Die Schwarzen, das sind doch auch Menschen."

Durchschnittlich einmal in der Stunde frage ich mich, ob ich vielleicht nicht doch lieber ... 

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