Heute muss ich etwas gestehen: Ich bin nicht von hier. Ich komme aus dem Saarland. Das ist so ein kleines Ländchen im Westen, das schon fast zu Frankreich gehört und dessen Bewohner von morgens bis abends nur Lyoner (eine Fleischwurst) essen und französischen Rotwein trinken. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls ist Sächsisch nicht meine Muttersprache. Trotzdem habe ich absolut nichts gegen den Dialekt. Im Gegenteil, er ist Musik in meinen Ohren und ich finde es gut, wenn Menschen ihre regionale Identität pflegen. Ich weiß auch, dass das Meißner Kanzleideutsch eine Grundlage unserer heutigen Hochsprache ist. Sächsisch ist also eigentlich das wahre Hochdeutsch. Und es klingt ja auch irgendwie lieb, wenn man "Mommoooo" genannt wird. Trotzdem wünsche ich mir, dass meine Kinder zumindest neben dem Dialekt auch Hochdeutsch sprechen können, wenn sie eines Tages in die Welt hinausziehen.

Böse Zungen behaupten ja, die sächsische Mundart klänge so, als habe man immer den Mund voll. Ich kann zumindest bestätigen, dass sie aus dem vollen Mund eines Kindes recht schwer zu verstehen ist. "Kau erst mal hinter", sagt der Papa. "Schluck erst mal runter", sage ich. Verständnislose Blicke. Ich erkläre: "Es heißt runterschlucken, nicht hinterkauen." Oder heißt es herunterschlucken? Hinunterschlucken? Egal: "Ess jetzt erst mal auf." Und dann helf mir und les im Duden nach, wie man starke Verben konjugiert. (Den letzten Satz habe ich nur so bei mir gedacht.)

Es geht aber noch schlimmer: Eine Freundin ließ sich neulich von ihren Schülern vorlesen, wie Gott die Welt schufte. Dass "schuf" schon die Vergangenheit von "schaffen" beschreibt, und damit die Schöpfung meint, war den jungen Leuten nicht klar: "Schaffen, das ist doch wie wegschaffen!" Das war im Deutsch-Leistungskurs. Vielleicht sollte ich von meiner vierjährigen Tochter nicht zu viel verlangen.

Zumal ich ja auch kein gutes Vorbild bin. Neulich unterhielt ich mich mit meiner Schwester in der Sprache unserer Heimat, die mit Hochdeutsch zugegebenermaßen nicht viel zu tun hat. Das heißt, ich versuchte, mich zu unterhalten. Mein Kind fühlte sich in seinem sprachlich-ästhetischen Empfinden gestört und quäkte dazwischen: "Mama, du sollst das nicht immer weglassen!" Was lass ich denn weg, fragte ich. Ach so, die Endkonsonanten. Mache, schaffe, schwätze. So spricht man dort, wo ich herkomme. "Des gann ja wohl ni wahr sein!" findet meine Tochter.