Grundsatzdiskussionen, in denen es, auf jeden Fall aus der Sicht der Leser, um weltanschauliche und in diesem Sinne alle Menschen angehende Betrachtungen ganz bestimmter Probleme geht, führe ich fast täglich zwischen zehn und zwölf. Für gewöhnlich dauern sie lange, also mindestens ein Viertelstunde, und ich kann eher selten in meinem Blog darüber berichten, weil diese Gespräche nicht innerhalb weniger Zeilen so zusammengefasst werden können, dass es sinnvoll ist, sich mit diesen Ansicht näher zu befassen. Nun hat es tatsächlich heute gleich zwei Unterhaltungen mit einer solchen Tragweite gegeben, dass es mir gerade nicht schwer fällt, davon zu berichten, ohne dass dieser Blogeintrag einer von der außergewöhnlich ausufernden Art wird.

Die erste Leserin um kurz nach zehn habe ich etwa zwei Minuten lang erst einmal reden lassen, wobei sie von dem eigentlich Grund ihres Anrufs innerhalb weniger Sekunden zu der grundsätzlichen Erörterung ihres Problems angelangt ist, deren Kernpunkt ich mit einer Frage auf den Punkt bringen kann: Alles wird teurer - was kann man dagegen tun? Meine Antwort war diese: "Vermutlich nichts." Selbstverständlich war das für die Frau in der Leitung inakzeptabel, weshalb sie weitere zwei Minuten lang mir erzählen durfte, wenn man alles in die Schranken beziehungsweise zur Rechenschaft ziehen müsste, damit eben nicht alles unentwegt immer mehr kostet. Dann machte sie eine kurze Pause, die ich nutzte, um ihre Ausführungen zusammenzufassen. Ich sagte: "Das würde bedeuten, dass der Staat einen unmittelbaren Einfluss auf die Produktion und die Preise von Waren nimm." Sie antworte: "Das stimmt, Sie haben es erfasst." Meine Reaktion darauf war diese: "Einen solchen Staat gab es doch bis 1989, wollen Sie ihn vielleicht wiederhaben?" Einen kurzen Moment zögerte sie, vermutlich die Tragweite einer möglich Antwort beleuchtend, dann sagte sie: "Ja, das möchte ich, für mich war die DDR in vielen Punkten der bessere Staat, in dem ich leben möchte."

Bei dem zweiten Gespräch war meine erste Antwort dieselbe, denn der Mann in der Leitung wollte, nachdem er mir minutenlang seine Gründe hatte erläutern dürfen, warum seiner Ansicht nach der Klimawandel eben nicht ein vor allem von den Menschen verursachter sei und der Verweis auf das Kohlendioxid als wichtigsten Faktor für die globale Erwärmung seiner Ansicht nach nicht der Wahrheit entspreche, von mir wissen, was man machen kann, damit die wenigen Experten von Weltruhm, unter denen es offenbar auch Nobelpreisträger geben soll und die allesamt natürliche Vorkommnisse für den Temperaturanstieg verantwortlich machen, endlich von der Politik gehört und ernst genommen werden. Ich sagte auch an dieser Stelle: "Vermutlich nichts." Das war natürlich alles andere als das, was der Anrufer hatte hören wollen, zumal er sich etwas davon versprochen hatte, bei der Zeitung anzurufen und um Hilfe zu bitten bei seinem Bestreben, endlich die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Einen Moment lang hörte ich nichts, dann dies: "Dann muss sich grundsätzlich etwas ändern, so kann es nicht weitergehen." Natürlich wollte ich wissen, an was er denn so denken würde, um der Wahrheit endlich zu ihrem Recht zu verhelfen, seine Antwort hat mich zuerst verblüfft, dann irritiert und am Ende sprachlos gemacht: "Eine Revolution muss es geben, so wie schon einmal in diesem Land." 

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