Manchmal ist meine Arbeit nicht gerade eine leichte und stellt mich mitunter auch vor außergewöhnliche Herausforderungen, was angesichts der beiden ersten Randnotizen aus den Protokollen meiner Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf deutlich werden dürfte, während ich etwas seltener von großer Freude erfüllt werde, weil mir jemand das gute Gefühl gegeben hat, dass ich doch nicht so allein bin, wie ich das von Zeit zu Zeit empfinde, weil positive Reaktionen auf meine Tätigkeit eher die Ausnahme sind.

Episode 1: Die größte Bedrohung der Menschheit kommt nicht aus dem All; weder außerirdische Lebensformen werden uns dem Untergang weihen, noch wird ein Asteroid mit der Erde kollidieren und für die finale Apokalypse sorgen. Auch der Klimawandel ist es nicht, was uns zunehmend leiden lässt, weil es immer heißer und trockener wird, während die Meeresspiegel steigen und Überflutungen von Küstenregionen drohen. Nein, die größte Herausforderung für unsere Spezies sind die Erdstrahlen. Der Leser, der mich darüber informiert hat mit der Absicht, dass es an der Zeit ist, dieses Thema endlich mit Hilfe eines ausführlichen Berichts in der Zeitung ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, darf jetzt selbst mit dieser Definition zu Wort kommen: "Erdstrahlen sind ausschließlich Magnetstrahlen des Magnetfeldes der Erde. Sie entstehen in einer Tiefe von drei bis sieben Kilometer unter der Erdoberfläche, durchdringen die Erdkruste, kreuzen den Lebensraum der Menschen und streben über der Atmosphäre dem magnetischen Nord- und Südpol zu, um dort wieder dem Erdinneren zuzustreben." Für ihn steht fest: "Über einen längeren Zeitraum höchst gesundheitsschädigend." Dieses Thema ist für mich kein neues, es hat für mich den gleichen Stellenwert wie die weißen Streifen an einem blauen Himmel. Neu war mir nur, was der Mann mir erklärte, dass man sich ganz einfach gegen Erdstrahlen schützen kann: "Die gegen Frost und Hitze an Autos schützenden Matten aus einer einseitig mit Aluminium beschichteten, dünnen, geschäumten Kunststoffmatten sind auch in der Lage, die Erdstrahlen von der Liegefläche des Menschen im Bett abzulenken." Also habe ich, weil ich mich sachkundig gemacht habe, bevor ich diesen Blogeintragen schreiben konnte, ein neues Wort gelernt: Radiästhesie

Episode 2: "Das ist in meinen Augen geradezu ein Akt von Staatsterrorismus", meinte eine Lesern, die sich bei mir gemeldet hat, nachdem sie den Artikel "Bald Aus für Kleingeld?" über die Pläne der EU-Kommission zur Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen gelesen hatte. Dass es dieses Kleingeld vielleicht irgendwann nicht mehr geben wird, findet die Frau eigentlich noch ganz in Ordnung, weil diese "blödsinnig Preisgestaltung von 1,99 oder 9.99 Euro wegfallen würde", mit der die Kunden beim Einkaufen ohnehin nur für dumm verkauft werden sollen. Nein, die Leserin befürchtet etwas Anderes: "Das ist dann vermutlich der erste Schritt zur Abschaffung des Bargeldes überhaupt, verbunden damit, dass wir alle weiter unsere Privatsphäre verlieren werden." Sie würde nur noch dann mit Karte bezahlen, wenn es gar nicht anders geht, denn sie ist davon überzeugt: "Wer die Bedeutung der Enthüllungen von Edward Snowden nicht verstanden hat, hat gar nichts verstanden."

Episode 3: Reaktionen auf meine Kolumne sind so selten eigentlich gar nicht, aber wohl noch nie zuvor hat mich eine derart bewegt wie diese, denn der Leser hat sich das, was ich in "Nur ein Mensch" geschrieben habe, tatsächlich zu Herzen genommen und allen Bundestagsabgeordneten einen Brief geschrieben. Daraus darf ich nun zitieren: "In der heutigen Ausgabe des Leserforum der Freien Presse ermutigt der Leserobmann in seiner Kolumne die Leser, die Politiker und Verantwortungsträger direkt anzusprechen und (offene) Briefe zu verschicken. Diesen Hinweis folge ich mit meiner Mail an Sie gern und bitte Sie, mir Ihren Standpunkt zu dem Großmanöver und den bereits durch die Ministerin Kramp-Karrenbauer in Aussicht gestellten weiteren militärischen Einsätzen im Ausland mitzuteilen. (…)  Gern würde ich Ihre Antworten dem Obmann der Freien Presse zur Kenntnis und zur Verwendung weiterleiten. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir eine Antwort bis zum 15. Februar 2020 zukommen lassen könnten, ggf. auch mit dem Hinweise auf einen späteren Zeitpunkt, wenn Sie den Termin nicht einhalten können. In Erwartung Ihrer Antwort bedanke ich mich schon im Voraus sehr herzlich."  Begeistert bin ich ohne Ende.

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