Bald ist Weihnachten, und Kind 1 erzählt leidenschaftlich gern vom Fest der Feste. Der Junge hat seine Vorstellungen davon, was wir als Eltern tun sollten, um ihm diesen Abend nicht zu versauen. Er hat ja alles. Ein warmes Zuhause, ein Taschenmesser mit eingebauter Säge und in der Brotbüchse jeden Tag frische Apfelstückchen.

Wir könnten ihm etwas von diesem Plastikbaustein-Hersteller zu Weihnachten schenken. Vielleicht die bunte Achterbahn, die würde gut zu seinem Hobby passen. Er könnte Achterbahn-Chef sein. Vielleicht wäre das grundsätzlich was für ihn, Achterbahn-Chef. Er wollte schon immer mal sehen, wie das ist, wenn so ein Teil mitten in der Loopingschleife Pause macht.

Aber der Junge will kein Lego. Er hat nur einen Weihnachtswunsch: Hühner. Will er. Unbedingt. Wünscht er sich. Zwei Stück plus Hahn. Wenn er keine bekommt, lässt er sich von einem dieser RTL-Bauern aus „Bauer sucht Frau“ adoptieren, von Farmer Andreas oder so.

Mein Mann bekam Schnappatmung. Er fragte das Kind, ob es zufällig verrückt sei. Immerhin sei er derjenige, der sich um die Hühner kümmern müsse. So wie um die Meerschweinchen, den Zwergdackel und die Wollmäuse. Und zufällig wünsche er sich keine Hühner. Hühner kacken, stinken und trampeln den Rasen kaputt. Er schlug vor, man könne zum Fleischer fahren und Tiefkühlhühner holen. Das fand der Junge ungefähr so witzig wie einen Familienausflug zum Orgelkonzert. Er wünsche sich Hühner, um morgens ihre Nester leerzufegen. Aber er esse doch gar keine Eier, sagte ich. „Aber Eierkuchen“, sagte Kind 1.

Außerdem habe er im Internet jemanden gefunden, der für einen einzigen Euro seinen Strupphahn verkauft. Kein Witz. Das Tier sieht aus, als wäre es mit nassen Flügeln in die Steckdose gekommen. Sein Herrchen preist es an mit den liebevollen Worten: „Er muss jetzt weg. Egal ob in den Stall oder auf den Teller. Schmeckt bestimmt vorzüglich.“ Da tat er mir Leid, der Strupphahn. Ich recherchierte im Internet und fand heraus, dass Hühner treu wie Hunde sind. Hühner sprechen Körpersprache, pflegen tiefe Freundschaften und verfallen hin und wieder in die eine oder andere Eifersuchtsszene.

Ich fühle mit ihnen und werde nie wieder ihre Kinder essen. Zwei Hühner im Garten, ist doch nichts dabei. Aber mein Mann ist noch nicht so weit. Er stellte das Weinglas ab, sprang vom Sofa auf und zeigte mir einen Vogel. „Die Hühner oder ich!“, sagte er. Kind 1 kann nervtötend betteln. Ich sage schon mal frohes Fest. rnw

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