Besonders tun mir gerade die Kollegen in der Redaktion leid, die für die Illustration ihrer Berichte über die Pandemie ein Foto brauchen und nur auf Symbolbilder zurückgreifen dürfen, weil selbstverständlich keine Betroffenen gezeigt werden sollen oder sogar dürfen, weil sie möglicherweise abgelichtet wurden, ohne dass sie es gemerkt haben und einer Veröffentlichung zustimmen konnten. So kommt es auch vor, dass Leser ein solches Foto kritisieren, weil sie es nicht in Ordnung finden, oder eine Frage dazu haben, weil sie seine Aussage nicht verstehen oder nachvollziehen können. Bei dem Bild zum Artikel "Familien in Schieflage" am Montag auf der Seite "Zeitgeschehen", wobei es sich um Interview mit der Inhaber eines Betreuungsdienstes zu den besonderen Herausforderungen in dieser Zeit handelt, waren es aber sogar drei Leser, die sich deswegen bei mir gemeldet haben, ausnahmslos mit dem gleichen Hinweis dazu. Bevor ich diesen nun nenne, möge sich jeder das Foto anschauen (siehe oben) und fragen: Was fällt auf, weil es nicht in Ordnung sein könnte? Ich zähle jetzt bis zehn, dann geht es weiter: 1, 2 (...) 10. Also: Als Schatten an der Wand ist ein sich streitendes Elternpaar zu sehen. Der Mann hält eine Flasche in der Hand, deren symbolische Aussage sein soll, dass der Vater in dieser Familie vermutlich ein Alkoholproblem hat. Was die drei Leser daran auszusetzen hatten, darf dieser nun in Worte fassen, wobei ich mich schon mal verabschieden möchte mit dem Hinweis, dass dies der dritte Blogeintrag hintereinander ohne das C-Wort ist, der Leser meinte: "Das Anstößige am Bild ist, dass der Mann scheinbar eine Flasche mit alkoholischem Inhalt in der Hand hält. Das ist stigmatisierend und/oder diskriminierend. Die Flasche könnte auch die Frau in der Hand halten. Dafür gibt es auch genug Beispiele."

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