Wer zuletzt lacht...

Männer sind anders als Frauen. Diese nicht ganz neue Erkenntnis halte ich mir immer vor, wenn ich mal wieder japsend und schnaufend hinter meinen beiden Laufpartnern her trotte. Ich gebe es nur ungern zu, aber Männer sind uns, was das Lauftraining angeht, physiologisch überlegen.

Schuld daran ist mal wieder die Pubertät. In dieser treten die genetisch und hormonell veranlagten Unterschiede zu Tage, die Frauen zu flinken Sammlerinnen und Männer zu kraftvollen Jägern machen. Die Herren dürfen sich nicht nur über eine höhere Muskelmasse, sondern auch einen niedrigeren Körperfettanteil freuen. Das ist ein bisschen ungerecht, aber sinnvoll. Zumindest was die Erhaltung der menschlichen Rasse angeht. Wenn man indes als Frau zusammen mit Männern Marathontraining absolviert, führt das unweigerlich zu Neid und schlechter Laune.

Am besten man begegnet dem Frust mit rohen Fakten. Männer sind von Haus aus schneller, weil sie im Durchschnitt zehn Prozent weniger Körperfett als Frauen haben und kein "totes Gewicht" mit sich herum schleppen müssen. Sie haben ein größeres Herz- und Lungenvolumen, mehr Hämoglobin im Blut und damit eine höhere Sauerstoffkapazität. Als wäre das nicht genug, strömt durch ihren Körper eine dopingähnliche Substanz namens Testosteron. Außerdem bekommen wir Mädels Dank unserer Vorliebe für hohe Absätze und unbequemes Schuhwerk Muskelverkürzungen und Achillessehnenbeschwerden. Durch unsere breiteren Hüften haben wir auch noch X-Beine. Ganz schön hart, so ein Leben als Frau.

Tauschen möchte ich trotzdem nicht. Und was das Training angeht, punkten wir dafür in anderen Bereichen. Zum Beispiel tendieren Männer häufiger dazu, sich zu übernehmen. In der Folge plagen sie sich mit Überlastungserscheinungen herum und kurieren Verletzungen aus. Frauen laufen gleichmäßiger, sind beweglicher und erreichen ihr Ziel problemloser. Damit profitieren wir von den positiven Effekten, die das Lauftraining bietet: Abbau von Stresshormonen, Ausschüttung von Endorphinen, Förderung der Kreativität, Stärkung des Immunsystems und so weiter. Natürlich können auch wir an unsere Grenzen gehen und sporteln bis zum Umfallen. Machen wir sogar. Unter "Erholung" verstehen wir aber etwas anderes als ein Bier auf der Couch. Wellness, Yoga, ein heißes Bad mit ätherischen Ölen - Entspannung kann so vielfältig sein.

Insofern sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede ziemlich gerecht verteilt. Zwar keuche ich den größten Teil der Strecke hinter den Jungs her. Aber wenn ich sehe, dass sie beim Stretching nach dem Lauf noch nicht einmal mit durchgestreckten Beinen mit ihren Händen den Boden berühren können, lache ich mir ins Fäustchen.

Noch 155 Tage bis Tag X

Läufe: 2

Wochenkilometer: 28

Gemütslage: Wieder beruhigt

Fazit Woche 10: Das Training mit Männern entpuppt sich als Symbiose: Ich komme ein bisschen mehr in die Gänge und im Gegenzug bewahre ich die Herren davor, sich tot zu laufen. Oder wie Orson Welles sagte: "Männer brauchen  Frauen um sich, sonst verfallen sie unaufhaltsam der Barbarei."

 

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